Trotz Erholung bleibt Skepsis

December 9, 2006

Rätselhafte Kursverläufe. Wie heftig an der Börse um die Richtung gerungen wird, zeigen die ruckartigen Ausschläge, wenn eine neue Zahl bekannt wird. So sank der DAX am vergangenen Freitag um über 60 Punkte, als die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wurden. Zwei Stunden später stand er nach der Publikation des Verbrauchervertrauens wieder exakt 60 Punkte höher. Insgesamt gab es ein Wochenplus von fast drei Prozent auf 6427 Zähler und damit die Rückkehr in den Aufwärtstrend. Trotz dieser Erholung spürt man Skepsis. Die Nervosität der Vorwoche ist noch nicht verschwunden.Die Aktionäre fragen sich, wie die starken Schwankungen der letzten Zeit gerechtfertigt sind. Antworten darauf gibt der Markt selbst. Denn wenn es an der Börse auf und ab geht, stehen jeweils viele tausend gegensätzliche Einzelentscheidungen dahinter. Offenbar haben wir zur Zeit eine Phase, in der viele falschen Spuren gelegt werden. Während die so genannten Insider und Trendsetter eher auf der Verkäuferseite stehen, bleiben die Draufsattler und Hasardeure fest in der Optimistenspur. Sie wollen noch in diesem Jahr die Hürde bei DAX 6500 fallen sehen.

Die Gruppe der sensiblen Risikosucher geht dabei meistens zu früh aus dem Markt. Sie sehen kritische Hinweise aus der Wirtschaft und bringen ihre Schäfchen ins Trockene. Mancher der Schlauen stellt sich auch dumm und fährt eine Zeitlang in der Kolonne der sturen Käufer mit, obwohl er schon innerlich auf die Bremse tritt. Meist kommt aus dieser Gemengelage ein Seitwärtstrend heraus. Die letzten Wochen des Jahres 2006 dürften somit keine größeren Überraschungen mehr bringen. Die Marktteilnehmer werden versuchen, die gute Entwicklung des bisherigen Börsenjahres bis Silvester in den Büchern zu halten. Für Unruhe könnte allerdings die Sitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche sorgen. Man erwartet Hinweise auf eine mögliche Zinssenkung im kommenden Jahr. In Deutschland rückt der Konjunkturindex für Dezember in den Blickpunkt. Neben dieser kurzfristigen Sicht gelten als strategische Positionen für 2007 ähnliche Argumente wie für 2006: Weiter steigende Unternehmensgewinne, ausreichend Liquidität und Übernahmefantasien. Hauptrisiko dürfte eine harte Landung der US-Konjunktur sein. Doch das ist noch nicht ausreichend klar. Solange hier die Möglichkeit besteht, dass man die Kurve ohne Kratzer hinkriegt, bleiben die Märkte in Weihnachtsstimmung. Die Ampeln zeigen nach einer kurzen Unterbrechung von vier Tagen wieder grün.

 

Aktive Wellenreiter

November 12, 2006

Hinter dem Ofen wachsen keine Lorbeeren. Gemäß diesem Motto wagten sich am Aktienmarkt weitere Käufer in den Ring. Der DAX überwand die Hürde bei 6300 und steht nun mit 6360 Zähler an einem Widerstand, der sich aus einer langfristigen Aufwärtslinie ergibt. Die von vielen erwartete Konsolidierung fand nicht statt. Nach wie vor ist für die kommenden Tage von Einbruch bis Jahresendrallye  „alles drin“.Auf den ersten Blick erscheint die Börse verhältnismäßig ruhig zu sein. Es gibt aktuell keine extrem großen Ausschläge, wenn man von einigen Nebenwerten absieht. Die Tagesschlusskurse des Gesamtmarktes liegen sehr eng beieinander. Doch dieser scheinbare Stillstand verdeckt das Gerangel hinter den Kulissen. Nach Auslauf der Berichtssaison tobt hier durchaus ein Richtungskampf. Die Seite der Fundamentalisten redet von schwächerem Wachstum im Jahr 2007 und will erst einmal eine Pause sehen, bevor der Trend nach oben weitergehen kann. Die Gegenfront verweist darauf, dass Börsen auch bei mäßiger Konjunktur steigen können, solange die Gewinnentwicklung passt und die alternativen Investment-Möglichkeiten nur wenig attraktiv sind. Bislang haben sich diese Trend-Freunde durchgesetzt. Hauptargument ist dabei sicherlich die fast schon unglaubliche Streß-Resistenz des Marktes. Ob steigende Ölpreise, ein starker Euro oder Führungswechsel in großen DAX-Unternehmen – stets wird die rosarote Brille verwendet und jeder Einwand als präseniles Gehabe einer verunsicherten Crash-Generation verspottet.  Was früher als kurshemmend dargestellt wurde, bremst nicht mehr. Es fehlen schlicht die Verkäufer, die sich von Einzelmeldungen beunruhigen lassen. Nach wie vor kommt der Druck eher von den Kaufwilligen, die Unternehmen der Deutschland AG als günstig bewertet einstufen und zugreifen. Es muss wohl ein Auslöser von außen kommen, der die immer selbstbewusster werdende Fraktion der Wellenreiter erschüttern könnte. Sie haben Appetit bekommen und wollen ihre Weihnachtsgans weiter mästen. Ampeln bleiben grün.  

Dynamik der ausgebremsten Warteschleife

October 28, 2006

In schnellen Autos sind automatische Stellhebel eingebaut, die das Tempo abriegeln, wenn bestimmte Werte erreicht werden. Offensichtlich war an der Börse  bei DAX 6300 so ein Grenze, an der die Benzinzufuhr gedrosselt wird. Denn an dieser Stelle stoppte die Dynamik. Nachfolgende Gewinnmitnahmen konnten aber die gute Bilanz der vergangenen Tage nur wenig trüben.

Trotz der aktuellen Konsolidierung hat die Börse ihre Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Diese Einschätzung stützt sich auf den Marktverlauf. Dieser ist eher zögerlich und zeigt, dass kein grenzenloser Optimismus herrscht. Das ist positiv, da übertreibungshemmend. Fast täglich warten die Investoren auf einen Rücksetzer. Wenn dieser bis zum Spätnachmittag nicht eintritt, kauft man trotzdem. So kamen die meisten Kurssteigerungen erst jeweils kurz vor Börsenschluss zustande. Diese Mechanik der ausgebremsten Warteschleife wirkt um so stärker, wenn ausländische Käufer dazu kommen: an deutschen Börsen stets ein kurstreibendes Element. So auch dieses Mal. Hinzu kommt: Ist ein großer DAX-Wert vorläufig ausgereizt, wandert die Spekulation zum nächsten. So geriet die Deutsche Telekom als „vernachlässigter“ Wert plötzlich in den Kaufsog, obwohl sich fundamental nichts geändert hat. Aber der Durchbruch durch die charttechnische Grenze von 13 Euro war für die Trittbrettfahrer Signal genug, um mitzugehen.  Schließlich gab es auch erfreuliche Überraschungen aus der laufenden Berichtssaison, etwa die guten Zahlen von Mercedes. Alles zusammen zog den DAX nach oben wie die Umsätze der Kürbisindustrie zu Halloween.   Die Kurvendeuter sehen anhand historischer Vergleiche einen  weiterhin guten Börsenverlauf, auch wenn es gelegentlich zu Gewinnmitnahmen kommt. Nach Auslauf der Berichtssaison wäre nun dazu eine Gelegenheit. Ergreift der Markt diese Chance nicht, entstehen zwangsläufig Überhitzungen, die meist ungut enden. Kommt es dagegen zu Rücksetzern und anschließender Erholung, muss der Einkaufswagen gefüllt werden. Ampel grün.

Intakter Trend nach oben

October 22, 2006

Wenn die Rose sich schmückt, schmückt sie auch den Garten. Das neue Jahreshoch gibt dem DAX eine Ausstrahlung, die bislang jeden Korrekturversuch zunichte machte und alle Unkräuter der Angst am Boden hielt. So schloss das Börsenbarometer bei 6203 Zähler in robuster Verfassung. Als sich am vergangenen Dienstag eine kurze Rückwärtsbewegung durchsetzte, sahen viele Marktbeobachter bereits den Beginn einer Verschnaufpause. Doch der Druck vieler Investoren, die zum Jahresende in Erklärungsnot kommen, wenn ihre Depots nicht mit den Favoriten der Saison gefüllt sind, ließ diese Auszeit nicht zu. So antwortete der Markt schon am folgenden Tag mit einem neuen Rekord. Denn wie ein trockener Schwamm mühelos viel Wasser aufnimmt, kaufen die Lemminge des Trends das herauskommende Material sofort auf.  Optimisten erwarten, dass mit einer weichen Landung der US-Konjunktur die Chancen auf sinkende Zinsen steigen und bleiben deshalb voll investiert. Zumindest im Bereich der global agierenden großen DAX-Werte gibt man die langsam knapp werdenden Stücke nicht aus der Hand. Bevor nun der Markt korrigieren kann, was wellentechnisch durchaus möglich ist ohne den Haupttrend zu gefährden, muss er aber erst beweisen, dass er zu einer Korrektur überhaupt fähig ist. Nur wenn eine Trend-Unterbrechung von mehreren Tagen vorkommt, kann man davon ausgehen, dass die Kurse auf breiter Front etwas nachgeben. Andernfalls bleibt der Sog intakt und dürfte weitere Marktteilnehmer anziehen.  Börsen habe keine festen Größen, keine Grenzen und keine rein mathematischen Gesetze, sie verstehen nur die Sprache von Angebot und Nachfrage. Diese Binsenweisheit kann nicht oft genug wiederholt werden, weil sie gerade an den Klippsteinen einer Marktentwicklung am besten funktioniert. Ampel weiter grün.

Entscheidung nach oben

October 8, 2006

Wie eine Hammelherde lassen sich die Börsen-Ängstlichen zur Zeit von den Optimisten vor sich hertreiben. Woche für Woche gibt es zwar Warnungen, dass der Markt überhitzt sei. Doch nach jeweils sieben Tagen steht der DAX meist erneut höher. So auch in der ersten Oktoberwoche. Nun sind wir bereits bei 6085 DAX-Punkten und haben wieder das alte Jahreshoch im Visier. Fällt auch diese Hürde, kann das Karussell erst richtig in Schwung kommen. Treiber der Bewegung sind Auslandskäufer, die deutsche Werte als günstig einstufen, Übernahmegefechte sowie das Reserve-Geld der zu früh Ausgestiegenen, die nun teilweise gegen ihre Überzeugung in den Markt zurückgeprügelt werden. Die zurückgefallenen Öl- und Rohstoffpreise geben Flankenschutz. Es scheint so, dass die massiven Verkäufe im Sommer dieses Jahres eine krasse Fehlentscheidung waren. Denn seitdem haben sich die Kurse bis auf wenige Ausnahmen gut erholt. Es wäre also nicht nötig gewesen, zu verkaufen. Weil seit dem Frühjahr 2006 vor allem viele Kleinaktionäre ihre Pakete abgaben, ist nun der Konvent weitgehend unter sich. Das erklärt die Stetigkeit des Aufschwungs, der eigentlich nur durch jeweils kleinere Gewinnmitnahmen unterbrochen wird. Der Markt entschied sich an der wichtigen Weg-Gabelung DAX 6000 für die Bergrichtung nach oben. Das ist eine Trend-Entscheidung, zumindest vorläufig. So lange keine wirkliche Euphorie herrscht und viele Anleger voller Sorge herumlaufen, als hätten sie morgen einen Zahnarzt-Termin, so lange kann das Hase-Igel-Spiel weitergehen, bei dem die Dauer-Investoren sagen: „Ich bin schon da!“  Ohne  Rückkehr der privaten Investoren  drohen allerdings Engpässe, da die potentiellen Käufer der Profi-Seite ihre Gelder schon weitgehend platziert haben. Meist wird daher empfohlen, erst bei Kursschwäche nach zu legen. Sofern keine neuen externen Einflüsse auftauchen, läuft der DAX robust weiter. Ampel grün.

Zitterpartie bei DAX 6000

September 30, 2006

Geschafft. Der Durchbruch nach Ansage verlief reibungslos. Der DAX hat die Zone von 6000 Punkten zurück erobert. Doch nun sind die Investoren so ratlos wie zu vor. Als vor sechs Jahren diese magische Grenze erstmals überschritten worden war, gab es eine riesige Marzipan-Torte im Börsensaal. Die Euphorie war groß. Heute ist das anders. Statt süsser Sachen wurde eine Portion Skepsis geliefert. Denn der Börsenindex steht mit seiner punktgenauen Rekordlandung zum Quartalsende mehr denn je an einer Weg-Gabelung.  Wenn die Luft dünner wird, steigt regelmäßig die Gefahr von Gewinnmitnahmen.

An Wall Street hat bislang nur der eher defensive Dow Jones seine alten Höhen wieder erreicht. Die anderen Börsen-Barometer in Übersee blieben zurück. Das deutet auf vorsichtiges Handeln hin. Man kauft lieber die dicken trägen Fische, nicht den aggressiven Jung-Hecht. In Boom-Zeiten war es umgekehrt.

Fazit: Mit Schwankungen wird gerechnet, doch nicht mit extremen Einbrüchen. Immerhin stehen viele Investoren, die mit einem schwachen September gerechnet hatten, mit leeren Einkaufstüten an der Seitenlinie. Sollten die Kurse zurückkommen, dürfte daraus Potential frei werden. Die Ampel bleibt grün.

Kein Durchmarsch in Sicht

September 23, 2006

Wer weit reisen will, der schone sein Reittier. So dachten die Börsianer und gaben dem Markt Zeit zum Durchschnaufen. Der Aufgalopp in Richtung DAX 6000 lief ohnehin nicht rund. Zu viele Hindernisse stehen im Weg. So kam es zu einem kleinen Rücksetzer auf 5883 Punkte. Doch der Optimismus hat damit zunächst nur eine Etappe verloren, nicht die ganze Schlacht. Gewiss, die jüngsten Konjunkturdaten zeigen sowohl in den USA als auch bei uns gewisse ökonomische Ermüdungserscheinungen in der Prognose für die nächsten Jahre. Doch da gleichzeitig Rohstoff- und Ölpreise spürbar sinken, hat sich das Inflationsrisiko verringert. Diese Botschaft setzte die US-Notenbank sofort um und verlängerte ihre Zinspause. Für die „Zins-Päpste“ aus Washington sind offensichtlich die Konjunktur-Risiken nun größer als die Preisrisiken. Bislang hatte die Erwartung steigender Preise das Handeln bestimmt. Nun könnte mit zeitlicher Verzögerung ein dämpfender Effekt kommen, weil sich Rohöl von der Spitze weg schon um rund 20 Prozent verbilligt hat. Die Rohstoffpreise sanken ebenfalls. Die Zinsmärkte haben das daraus folgende Szenario schon durchgespielt und den Preis für langfristige Anleihen nach unten gedrückt. Wer sein Kapital somit in festverzinsliche Werte anlegt, bekommt weniger Ertrag. Damit werden Aktien attraktiver, auch wenn sich die Unternehmensgewinne zunächst nicht weiter erhöhen. Diese an sich gute Nachricht für die Aktienmärkte könnte in den nächsten Wochen den Spannungsbogen zugunsten der Optimisten straff halten. Für sie gilt nach wie vor der Satz, dass ein freundlicher Börsenherbst nur verzögert werden kann, weil die günstigen Bewertungen irgendwann kurswirksam werden. Doch es fällt auf, dass im Rahmen der Titelauswahl Sicherheitsinvestments zunehmen. Raus aus konjunktursensiblen Aktien, rein in eher trägere Dividendenwerte.Auch bislang sehr populäre Trendwerte haben es zur Zeit schwer. So fällt gerade bei einigen Aktien der Solarenergie trotz guter Unternehmenszahlen manches Kartenhaus zusammen. Für den Gesamtmarkt konnte das Grün-Signal gerade noch gehalten werden. Bei weiteren Abgaben aber droht bald rot. 

Robustes Mandat für Aktien

September 16, 2006

Gestützt durch sinkende Ölpreise ließ sich der Aktienmarkt nicht aus der Ruhe bringen. Er stieg weiter und liegt mit 5937 Zählern nur unweit von der magischen Marke DAX 6000 entfernt. Der scheinbar unbeirrbare Wellengang nach oben musste allerdings durchaus einige Klippen überwinden. So schockierte eine Gewinn-Warnung die Daimler-Chrysler Aktie und in „Sippenhaft“ auch andere Auto-Werte wie BMW. Außerdem wimmelt es im Börsen-Umfeld von allerlei Panik-Gerüchten, die jedoch meist nur in der saisonalen Trendmechanik gründen. Bislang haben diese Störfeuer der psychologischen Art den Börsenzug – wenn überhaupt – nur vorübergehend bremsen können. Im Gegenzug gibt es wieder neue Übernahmefantasien, aktuell im Nutzfahrzeuge-Sektor. Davon profitierten MAN, Scania und auch Volkswagen als einer der Hauptaktionäre des skandinavischen Maschinenbauers.

Wie Gottfried Heller, Chef der Fiduka Depotverwaltung, kürzlich ausführte, sind die mittelfristigen Aussichten auf einen guten Jahresausklang an den Börsen günstig, da die Dividendenwerte immer noch unterbewertet seien und durch Aktienrückkäufe der großen US-Unternehmen eine Verknappung des Angebots zu erwarten ist. Allerdings geht der Börsenexperte davon aus, dass nun weniger die kleinen und mittleren Werte als vielmehr die Index-Schwergewichte die Rolle der Zugpferde übernehmen werden. Fazit: Ampel grün

Richtungswechsel nur im Kopf

September 1, 2006

Jeder stabile Tag in Folge macht den Aktienmarkt noch robuster. Obwohl mit Rückschlägen gerechnet wurde, zogen die Kurse weiter an und übersprangen für kurze Zeit sogar das Niveau von 5900 DAX-Punkten. Neue Unternehmensnachrichten dazu gab es nicht. Erfolg pflanzt sich manchmal eben auch alleine fort. Wirbelsturmgefahren, Zinsängste und die geopolitische Risiken aus dem Nahen Osten konnten die Kauflaune nicht abwürgen. Zu stark wiegen offenbar die Perspektiven, dass Euroland im nächsten Jahr ökonomisch verhältnismäßig gut abschneidet, zumindest besser als die USA. Das lockt internationale Gelder an, die in den meisten DAX-Firmen günstige Schnäppchen sehen. Damit bekamen bislang jene recht, die gegen die saisonale Schwäche setzen und im längerfristigen Interesse einfach im Markt bleiben.  Der nachhaltige Investor sagt: Was juckt mich ein möglicher kurzer Abtaucher, wenn es anschließend wieder nach oben geht? Genau aus dieser Motivation heraus fehlen zur Zeit die Verkäufer. Statt abzugeben, denkt man eher an Nachkauf.  Ein Argument allerdings könnte die dickfelligen Dagoberts doch noch nervös machen:  Das momentan ohnehin sehr zähe Getrippel nach oben wird von immer weniger Mitläufern begleitet. Die Umsätze sinken seit Mai permanent ab. Technisch gesehen fehlt damit den Turmbauern zu DAX-Hausen buchstäblich die Untermauerung. Hier sollte in absehbarer Zeit der Volumen-Pfeil deutlich nach oben zeigen, damit der Aufschwung nicht „verhungert“. Blicken wir auf Einzelwerte, so bereitet die Deutsche Telekom Sorge. Hier ging die Talfahrt weiter. Andere Werte, wie Fresenius, Linde oder Lufthansa haben dagegen ihre Jahreshöchstkurse wieder überschritten, Bayer, EON und Henkel stehen kurz davor. Das zeigt, dass auch bei Aufholjagden kein gleiches Tempo gefahren wird. Selektion ist immer Trumpf. Gegenwärtig werden Technologie-Aktien und Finanzwerte favorisiert. Alles in allem geht die  ruhige Bergtour zunächst wohl weiter, ein Richtungswechsel liegt eher in den Köpfen als im realen Marktgeschehen. Die Ampeln bleiben grün.

Unentschlossen in die nächste Runde

August 26, 2006

Vorsichtig, aber nicht ängstlich. So gehen die Aktienmärkte in  den schwierigen Börsenmonat September.  Die gegenläufigen Kräfte heben sich zur Zeit auf, der DAX verharrt bei 5800. Das unentschiedene Gezerre kann man auch positiv sehen. Immerhin muss sich der Markt gegen aufkeimende Konjunktursorgen stemmen. In Europa verdüstern sich die Prognosen für 2007, in Amerika stockt der Immobilienmarkt. Diese Vorboten eines kühleren ökonomischen Klimas helfen zwar den Zins-Spekulationen, doch für die Unternehmensgewinne steckt in diesen Tendenzen Abschmelzungsdruck. Belastend könnte sich auch die aktuelle Hurrikan-Saison erweisen. Denn genau vor einem Jahr tobte „Katarina“ an der Südostküste der USA. Die Börsianer haben ein gutes Gedächtnis und möchten nicht erneut durch Naturkatastrophen dieser Art durcheinander gewirbelt werden.Da diese sichtbare Risiken aber bislang zu keinem Verkaufsdruck geführt haben, deutet der robuste Widerstand darauf hin, dass bei besseren äußeren Umständen „…noch mehr drin ist“, so ein Händler. Wenn die aktuellen Belastungen zu keinen Abgaben führen, so die einfache Logik, kann es auf mittlere Sicht weiter nach oben gehen. Man geht davon aus, dass in Richtung DAX 6000 noch ein bewertungstechnisches Erholungspotential besteht. Man weiß nur nicht, wann diese Kräfte frei werden. Unklar ist, ob vor einem Ausbruch nach oben die unteren Auffanglinien getestet werden. Statt in diesem Spannungsfeld zu handeln, wartet der Markt lieber auf Jean-Claude Trichet. Da die Leitzinsen vermutlich unverändert bei drei Prozent bleiben dürften, kommen den begleitenden Worten des obersten Währungshüters große Bedeutung zu. Es kann aber auch sein, dass selbst diese Wegweisung keine sofortige neue Richtungsentscheidung bringt. Denn Notenbankpräsidenten drücken sich meist diplomatisch aus. So lange keine eindeutigen Verkaufssignale vorliegen, bleiben die chancenorientierten Investoren deshalb im Markt. Die Signale sind grün.