Archive for October, 2006

Dynamik der ausgebremsten Warteschleife

October 28, 2006

In schnellen Autos sind automatische Stellhebel eingebaut, die das Tempo abriegeln, wenn bestimmte Werte erreicht werden. Offensichtlich war an der Börse  bei DAX 6300 so ein Grenze, an der die Benzinzufuhr gedrosselt wird. Denn an dieser Stelle stoppte die Dynamik. Nachfolgende Gewinnmitnahmen konnten aber die gute Bilanz der vergangenen Tage nur wenig trüben.

Trotz der aktuellen Konsolidierung hat die Börse ihre Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Diese Einschätzung stützt sich auf den Marktverlauf. Dieser ist eher zögerlich und zeigt, dass kein grenzenloser Optimismus herrscht. Das ist positiv, da übertreibungshemmend. Fast täglich warten die Investoren auf einen Rücksetzer. Wenn dieser bis zum Spätnachmittag nicht eintritt, kauft man trotzdem. So kamen die meisten Kurssteigerungen erst jeweils kurz vor Börsenschluss zustande. Diese Mechanik der ausgebremsten Warteschleife wirkt um so stärker, wenn ausländische Käufer dazu kommen: an deutschen Börsen stets ein kurstreibendes Element. So auch dieses Mal. Hinzu kommt: Ist ein großer DAX-Wert vorläufig ausgereizt, wandert die Spekulation zum nächsten. So geriet die Deutsche Telekom als „vernachlässigter“ Wert plötzlich in den Kaufsog, obwohl sich fundamental nichts geändert hat. Aber der Durchbruch durch die charttechnische Grenze von 13 Euro war für die Trittbrettfahrer Signal genug, um mitzugehen.  Schließlich gab es auch erfreuliche Überraschungen aus der laufenden Berichtssaison, etwa die guten Zahlen von Mercedes. Alles zusammen zog den DAX nach oben wie die Umsätze der Kürbisindustrie zu Halloween.   Die Kurvendeuter sehen anhand historischer Vergleiche einen  weiterhin guten Börsenverlauf, auch wenn es gelegentlich zu Gewinnmitnahmen kommt. Nach Auslauf der Berichtssaison wäre nun dazu eine Gelegenheit. Ergreift der Markt diese Chance nicht, entstehen zwangsläufig Überhitzungen, die meist ungut enden. Kommt es dagegen zu Rücksetzern und anschließender Erholung, muss der Einkaufswagen gefüllt werden. Ampel grün.

Intakter Trend nach oben

October 22, 2006

Wenn die Rose sich schmückt, schmückt sie auch den Garten. Das neue Jahreshoch gibt dem DAX eine Ausstrahlung, die bislang jeden Korrekturversuch zunichte machte und alle Unkräuter der Angst am Boden hielt. So schloss das Börsenbarometer bei 6203 Zähler in robuster Verfassung. Als sich am vergangenen Dienstag eine kurze Rückwärtsbewegung durchsetzte, sahen viele Marktbeobachter bereits den Beginn einer Verschnaufpause. Doch der Druck vieler Investoren, die zum Jahresende in Erklärungsnot kommen, wenn ihre Depots nicht mit den Favoriten der Saison gefüllt sind, ließ diese Auszeit nicht zu. So antwortete der Markt schon am folgenden Tag mit einem neuen Rekord. Denn wie ein trockener Schwamm mühelos viel Wasser aufnimmt, kaufen die Lemminge des Trends das herauskommende Material sofort auf.  Optimisten erwarten, dass mit einer weichen Landung der US-Konjunktur die Chancen auf sinkende Zinsen steigen und bleiben deshalb voll investiert. Zumindest im Bereich der global agierenden großen DAX-Werte gibt man die langsam knapp werdenden Stücke nicht aus der Hand. Bevor nun der Markt korrigieren kann, was wellentechnisch durchaus möglich ist ohne den Haupttrend zu gefährden, muss er aber erst beweisen, dass er zu einer Korrektur überhaupt fähig ist. Nur wenn eine Trend-Unterbrechung von mehreren Tagen vorkommt, kann man davon ausgehen, dass die Kurse auf breiter Front etwas nachgeben. Andernfalls bleibt der Sog intakt und dürfte weitere Marktteilnehmer anziehen.  Börsen habe keine festen Größen, keine Grenzen und keine rein mathematischen Gesetze, sie verstehen nur die Sprache von Angebot und Nachfrage. Diese Binsenweisheit kann nicht oft genug wiederholt werden, weil sie gerade an den Klippsteinen einer Marktentwicklung am besten funktioniert. Ampel weiter grün.

Entscheidung nach oben

October 8, 2006

Wie eine Hammelherde lassen sich die Börsen-Ängstlichen zur Zeit von den Optimisten vor sich hertreiben. Woche für Woche gibt es zwar Warnungen, dass der Markt überhitzt sei. Doch nach jeweils sieben Tagen steht der DAX meist erneut höher. So auch in der ersten Oktoberwoche. Nun sind wir bereits bei 6085 DAX-Punkten und haben wieder das alte Jahreshoch im Visier. Fällt auch diese Hürde, kann das Karussell erst richtig in Schwung kommen. Treiber der Bewegung sind Auslandskäufer, die deutsche Werte als günstig einstufen, Übernahmegefechte sowie das Reserve-Geld der zu früh Ausgestiegenen, die nun teilweise gegen ihre Überzeugung in den Markt zurückgeprügelt werden. Die zurückgefallenen Öl- und Rohstoffpreise geben Flankenschutz. Es scheint so, dass die massiven Verkäufe im Sommer dieses Jahres eine krasse Fehlentscheidung waren. Denn seitdem haben sich die Kurse bis auf wenige Ausnahmen gut erholt. Es wäre also nicht nötig gewesen, zu verkaufen. Weil seit dem Frühjahr 2006 vor allem viele Kleinaktionäre ihre Pakete abgaben, ist nun der Konvent weitgehend unter sich. Das erklärt die Stetigkeit des Aufschwungs, der eigentlich nur durch jeweils kleinere Gewinnmitnahmen unterbrochen wird. Der Markt entschied sich an der wichtigen Weg-Gabelung DAX 6000 für die Bergrichtung nach oben. Das ist eine Trend-Entscheidung, zumindest vorläufig. So lange keine wirkliche Euphorie herrscht und viele Anleger voller Sorge herumlaufen, als hätten sie morgen einen Zahnarzt-Termin, so lange kann das Hase-Igel-Spiel weitergehen, bei dem die Dauer-Investoren sagen: „Ich bin schon da!“  Ohne  Rückkehr der privaten Investoren  drohen allerdings Engpässe, da die potentiellen Käufer der Profi-Seite ihre Gelder schon weitgehend platziert haben. Meist wird daher empfohlen, erst bei Kursschwäche nach zu legen. Sofern keine neuen externen Einflüsse auftauchen, läuft der DAX robust weiter. Ampel grün.