In schnellen Autos sind automatische Stellhebel eingebaut, die das Tempo abriegeln, wenn bestimmte Werte erreicht werden. Offensichtlich war an der Börse bei DAX 6300 so ein Grenze, an der die Benzinzufuhr gedrosselt wird. Denn an dieser Stelle stoppte die Dynamik. Nachfolgende Gewinnmitnahmen konnten aber die gute Bilanz der vergangenen Tage nur wenig trüben.
Trotz der aktuellen Konsolidierung hat die Börse ihre Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Diese Einschätzung stützt sich auf den Marktverlauf. Dieser ist eher zögerlich und zeigt, dass kein grenzenloser Optimismus herrscht. Das ist positiv, da übertreibungshemmend. Fast täglich warten die Investoren auf einen Rücksetzer. Wenn dieser bis zum Spätnachmittag nicht eintritt, kauft man trotzdem. So kamen die meisten Kurssteigerungen erst jeweils kurz vor Börsenschluss zustande. Diese Mechanik der ausgebremsten Warteschleife wirkt um so stärker, wenn ausländische Käufer dazu kommen: an deutschen Börsen stets ein kurstreibendes Element. So auch dieses Mal. Hinzu kommt: Ist ein großer DAX-Wert vorläufig ausgereizt, wandert die Spekulation zum nächsten. So geriet die Deutsche Telekom als „vernachlässigter“ Wert plötzlich in den Kaufsog, obwohl sich fundamental nichts geändert hat. Aber der Durchbruch durch die charttechnische Grenze von 13 Euro war für die Trittbrettfahrer Signal genug, um mitzugehen. Schließlich gab es auch erfreuliche Überraschungen aus der laufenden Berichtssaison, etwa die guten Zahlen von Mercedes. Alles zusammen zog den DAX nach oben wie die Umsätze der Kürbisindustrie zu Halloween. Die Kurvendeuter sehen anhand historischer Vergleiche einen weiterhin guten Börsenverlauf, auch wenn es gelegentlich zu Gewinnmitnahmen kommt. Nach Auslauf der Berichtssaison wäre nun dazu eine Gelegenheit. Ergreift der Markt diese Chance nicht, entstehen zwangsläufig Überhitzungen, die meist ungut enden. Kommt es dagegen zu Rücksetzern und anschließender Erholung, muss der Einkaufswagen gefüllt werden. Ampel grün.