Wer weit reisen will, der schone sein Reittier. So dachten die Börsianer und gaben dem Markt Zeit zum Durchschnaufen. Der Aufgalopp in Richtung DAX 6000 lief ohnehin nicht rund. Zu viele Hindernisse stehen im Weg. So kam es zu einem kleinen Rücksetzer auf 5883 Punkte. Doch der Optimismus hat damit zunächst nur eine Etappe verloren, nicht die ganze Schlacht. Gewiss, die jüngsten Konjunkturdaten zeigen sowohl in den USA als auch bei uns gewisse ökonomische Ermüdungserscheinungen in der Prognose für die nächsten Jahre. Doch da gleichzeitig Rohstoff- und Ölpreise spürbar sinken, hat sich das Inflationsrisiko verringert. Diese Botschaft setzte die US-Notenbank sofort um und verlängerte ihre Zinspause. Für die „Zins-Päpste“ aus Washington sind offensichtlich die Konjunktur-Risiken nun größer als die Preisrisiken. Bislang hatte die Erwartung steigender Preise das Handeln bestimmt. Nun könnte mit zeitlicher Verzögerung ein dämpfender Effekt kommen, weil sich Rohöl von der Spitze weg schon um rund 20 Prozent verbilligt hat. Die Rohstoffpreise sanken ebenfalls. Die Zinsmärkte haben das daraus folgende Szenario schon durchgespielt und den Preis für langfristige Anleihen nach unten gedrückt. Wer sein Kapital somit in festverzinsliche Werte anlegt, bekommt weniger Ertrag. Damit werden Aktien attraktiver, auch wenn sich die Unternehmensgewinne zunächst nicht weiter erhöhen. Diese an sich gute Nachricht für die Aktienmärkte könnte in den nächsten Wochen den Spannungsbogen zugunsten der Optimisten straff halten. Für sie gilt nach wie vor der Satz, dass ein freundlicher Börsenherbst nur verzögert werden kann, weil die günstigen Bewertungen irgendwann kurswirksam werden. Doch es fällt auf, dass im Rahmen der Titelauswahl Sicherheitsinvestments zunehmen. Raus aus konjunktursensiblen Aktien, rein in eher trägere Dividendenwerte.Auch bislang sehr populäre Trendwerte haben es zur Zeit schwer. So fällt gerade bei einigen Aktien der Solarenergie trotz guter Unternehmenszahlen manches Kartenhaus zusammen. Für den Gesamtmarkt konnte das Grün-Signal gerade noch gehalten werden. Bei weiteren Abgaben aber droht bald rot.