Archive for September, 2006

Zitterpartie bei DAX 6000

September 30, 2006

Geschafft. Der Durchbruch nach Ansage verlief reibungslos. Der DAX hat die Zone von 6000 Punkten zurück erobert. Doch nun sind die Investoren so ratlos wie zu vor. Als vor sechs Jahren diese magische Grenze erstmals überschritten worden war, gab es eine riesige Marzipan-Torte im Börsensaal. Die Euphorie war groß. Heute ist das anders. Statt süsser Sachen wurde eine Portion Skepsis geliefert. Denn der Börsenindex steht mit seiner punktgenauen Rekordlandung zum Quartalsende mehr denn je an einer Weg-Gabelung.  Wenn die Luft dünner wird, steigt regelmäßig die Gefahr von Gewinnmitnahmen.

An Wall Street hat bislang nur der eher defensive Dow Jones seine alten Höhen wieder erreicht. Die anderen Börsen-Barometer in Übersee blieben zurück. Das deutet auf vorsichtiges Handeln hin. Man kauft lieber die dicken trägen Fische, nicht den aggressiven Jung-Hecht. In Boom-Zeiten war es umgekehrt.

Fazit: Mit Schwankungen wird gerechnet, doch nicht mit extremen Einbrüchen. Immerhin stehen viele Investoren, die mit einem schwachen September gerechnet hatten, mit leeren Einkaufstüten an der Seitenlinie. Sollten die Kurse zurückkommen, dürfte daraus Potential frei werden. Die Ampel bleibt grün.

Kein Durchmarsch in Sicht

September 23, 2006

Wer weit reisen will, der schone sein Reittier. So dachten die Börsianer und gaben dem Markt Zeit zum Durchschnaufen. Der Aufgalopp in Richtung DAX 6000 lief ohnehin nicht rund. Zu viele Hindernisse stehen im Weg. So kam es zu einem kleinen Rücksetzer auf 5883 Punkte. Doch der Optimismus hat damit zunächst nur eine Etappe verloren, nicht die ganze Schlacht. Gewiss, die jüngsten Konjunkturdaten zeigen sowohl in den USA als auch bei uns gewisse ökonomische Ermüdungserscheinungen in der Prognose für die nächsten Jahre. Doch da gleichzeitig Rohstoff- und Ölpreise spürbar sinken, hat sich das Inflationsrisiko verringert. Diese Botschaft setzte die US-Notenbank sofort um und verlängerte ihre Zinspause. Für die „Zins-Päpste“ aus Washington sind offensichtlich die Konjunktur-Risiken nun größer als die Preisrisiken. Bislang hatte die Erwartung steigender Preise das Handeln bestimmt. Nun könnte mit zeitlicher Verzögerung ein dämpfender Effekt kommen, weil sich Rohöl von der Spitze weg schon um rund 20 Prozent verbilligt hat. Die Rohstoffpreise sanken ebenfalls. Die Zinsmärkte haben das daraus folgende Szenario schon durchgespielt und den Preis für langfristige Anleihen nach unten gedrückt. Wer sein Kapital somit in festverzinsliche Werte anlegt, bekommt weniger Ertrag. Damit werden Aktien attraktiver, auch wenn sich die Unternehmensgewinne zunächst nicht weiter erhöhen. Diese an sich gute Nachricht für die Aktienmärkte könnte in den nächsten Wochen den Spannungsbogen zugunsten der Optimisten straff halten. Für sie gilt nach wie vor der Satz, dass ein freundlicher Börsenherbst nur verzögert werden kann, weil die günstigen Bewertungen irgendwann kurswirksam werden. Doch es fällt auf, dass im Rahmen der Titelauswahl Sicherheitsinvestments zunehmen. Raus aus konjunktursensiblen Aktien, rein in eher trägere Dividendenwerte.Auch bislang sehr populäre Trendwerte haben es zur Zeit schwer. So fällt gerade bei einigen Aktien der Solarenergie trotz guter Unternehmenszahlen manches Kartenhaus zusammen. Für den Gesamtmarkt konnte das Grün-Signal gerade noch gehalten werden. Bei weiteren Abgaben aber droht bald rot. 

Robustes Mandat für Aktien

September 16, 2006

Gestützt durch sinkende Ölpreise ließ sich der Aktienmarkt nicht aus der Ruhe bringen. Er stieg weiter und liegt mit 5937 Zählern nur unweit von der magischen Marke DAX 6000 entfernt. Der scheinbar unbeirrbare Wellengang nach oben musste allerdings durchaus einige Klippen überwinden. So schockierte eine Gewinn-Warnung die Daimler-Chrysler Aktie und in „Sippenhaft“ auch andere Auto-Werte wie BMW. Außerdem wimmelt es im Börsen-Umfeld von allerlei Panik-Gerüchten, die jedoch meist nur in der saisonalen Trendmechanik gründen. Bislang haben diese Störfeuer der psychologischen Art den Börsenzug – wenn überhaupt – nur vorübergehend bremsen können. Im Gegenzug gibt es wieder neue Übernahmefantasien, aktuell im Nutzfahrzeuge-Sektor. Davon profitierten MAN, Scania und auch Volkswagen als einer der Hauptaktionäre des skandinavischen Maschinenbauers.

Wie Gottfried Heller, Chef der Fiduka Depotverwaltung, kürzlich ausführte, sind die mittelfristigen Aussichten auf einen guten Jahresausklang an den Börsen günstig, da die Dividendenwerte immer noch unterbewertet seien und durch Aktienrückkäufe der großen US-Unternehmen eine Verknappung des Angebots zu erwarten ist. Allerdings geht der Börsenexperte davon aus, dass nun weniger die kleinen und mittleren Werte als vielmehr die Index-Schwergewichte die Rolle der Zugpferde übernehmen werden. Fazit: Ampel grün

Richtungswechsel nur im Kopf

September 1, 2006

Jeder stabile Tag in Folge macht den Aktienmarkt noch robuster. Obwohl mit Rückschlägen gerechnet wurde, zogen die Kurse weiter an und übersprangen für kurze Zeit sogar das Niveau von 5900 DAX-Punkten. Neue Unternehmensnachrichten dazu gab es nicht. Erfolg pflanzt sich manchmal eben auch alleine fort. Wirbelsturmgefahren, Zinsängste und die geopolitische Risiken aus dem Nahen Osten konnten die Kauflaune nicht abwürgen. Zu stark wiegen offenbar die Perspektiven, dass Euroland im nächsten Jahr ökonomisch verhältnismäßig gut abschneidet, zumindest besser als die USA. Das lockt internationale Gelder an, die in den meisten DAX-Firmen günstige Schnäppchen sehen. Damit bekamen bislang jene recht, die gegen die saisonale Schwäche setzen und im längerfristigen Interesse einfach im Markt bleiben.  Der nachhaltige Investor sagt: Was juckt mich ein möglicher kurzer Abtaucher, wenn es anschließend wieder nach oben geht? Genau aus dieser Motivation heraus fehlen zur Zeit die Verkäufer. Statt abzugeben, denkt man eher an Nachkauf.  Ein Argument allerdings könnte die dickfelligen Dagoberts doch noch nervös machen:  Das momentan ohnehin sehr zähe Getrippel nach oben wird von immer weniger Mitläufern begleitet. Die Umsätze sinken seit Mai permanent ab. Technisch gesehen fehlt damit den Turmbauern zu DAX-Hausen buchstäblich die Untermauerung. Hier sollte in absehbarer Zeit der Volumen-Pfeil deutlich nach oben zeigen, damit der Aufschwung nicht „verhungert“. Blicken wir auf Einzelwerte, so bereitet die Deutsche Telekom Sorge. Hier ging die Talfahrt weiter. Andere Werte, wie Fresenius, Linde oder Lufthansa haben dagegen ihre Jahreshöchstkurse wieder überschritten, Bayer, EON und Henkel stehen kurz davor. Das zeigt, dass auch bei Aufholjagden kein gleiches Tempo gefahren wird. Selektion ist immer Trumpf. Gegenwärtig werden Technologie-Aktien und Finanzwerte favorisiert. Alles in allem geht die  ruhige Bergtour zunächst wohl weiter, ein Richtungswechsel liegt eher in den Köpfen als im realen Marktgeschehen. Die Ampeln bleiben grün.