Vorsichtig, aber nicht ängstlich. So gehen die Aktienmärkte in den schwierigen Börsenmonat September. Die gegenläufigen Kräfte heben sich zur Zeit auf, der DAX verharrt bei 5800. Das unentschiedene Gezerre kann man auch positiv sehen. Immerhin muss sich der Markt gegen aufkeimende Konjunktursorgen stemmen. In Europa verdüstern sich die Prognosen für 2007, in Amerika stockt der Immobilienmarkt. Diese Vorboten eines kühleren ökonomischen Klimas helfen zwar den Zins-Spekulationen, doch für die Unternehmensgewinne steckt in diesen Tendenzen Abschmelzungsdruck. Belastend könnte sich auch die aktuelle Hurrikan-Saison erweisen. Denn genau vor einem Jahr tobte „Katarina“ an der Südostküste der USA. Die Börsianer haben ein gutes Gedächtnis und möchten nicht erneut durch Naturkatastrophen dieser Art durcheinander gewirbelt werden.Da diese sichtbare Risiken aber bislang zu keinem Verkaufsdruck geführt haben, deutet der robuste Widerstand darauf hin, dass bei besseren äußeren Umständen „…noch mehr drin ist“, so ein Händler. Wenn die aktuellen Belastungen zu keinen Abgaben führen, so die einfache Logik, kann es auf mittlere Sicht weiter nach oben gehen. Man geht davon aus, dass in Richtung DAX 6000 noch ein bewertungstechnisches Erholungspotential besteht. Man weiß nur nicht, wann diese Kräfte frei werden. Unklar ist, ob vor einem Ausbruch nach oben die unteren Auffanglinien getestet werden. Statt in diesem Spannungsfeld zu handeln, wartet der Markt lieber auf Jean-Claude Trichet. Da die Leitzinsen vermutlich unverändert bei drei Prozent bleiben dürften, kommen den begleitenden Worten des obersten Währungshüters große Bedeutung zu. Es kann aber auch sein, dass selbst diese Wegweisung keine sofortige neue Richtungsentscheidung bringt. Denn Notenbankpräsidenten drücken sich meist diplomatisch aus. So lange keine eindeutigen Verkaufssignale vorliegen, bleiben die chancenorientierten Investoren deshalb im Markt. Die Signale sind grün.