Archive for August, 2006

Unentschlossen in die nächste Runde

August 26, 2006

Vorsichtig, aber nicht ängstlich. So gehen die Aktienmärkte in  den schwierigen Börsenmonat September.  Die gegenläufigen Kräfte heben sich zur Zeit auf, der DAX verharrt bei 5800. Das unentschiedene Gezerre kann man auch positiv sehen. Immerhin muss sich der Markt gegen aufkeimende Konjunktursorgen stemmen. In Europa verdüstern sich die Prognosen für 2007, in Amerika stockt der Immobilienmarkt. Diese Vorboten eines kühleren ökonomischen Klimas helfen zwar den Zins-Spekulationen, doch für die Unternehmensgewinne steckt in diesen Tendenzen Abschmelzungsdruck. Belastend könnte sich auch die aktuelle Hurrikan-Saison erweisen. Denn genau vor einem Jahr tobte „Katarina“ an der Südostküste der USA. Die Börsianer haben ein gutes Gedächtnis und möchten nicht erneut durch Naturkatastrophen dieser Art durcheinander gewirbelt werden.Da diese sichtbare Risiken aber bislang zu keinem Verkaufsdruck geführt haben, deutet der robuste Widerstand darauf hin, dass bei besseren äußeren Umständen „…noch mehr drin ist“, so ein Händler. Wenn die aktuellen Belastungen zu keinen Abgaben führen, so die einfache Logik, kann es auf mittlere Sicht weiter nach oben gehen. Man geht davon aus, dass in Richtung DAX 6000 noch ein bewertungstechnisches Erholungspotential besteht. Man weiß nur nicht, wann diese Kräfte frei werden. Unklar ist, ob vor einem Ausbruch nach oben die unteren Auffanglinien getestet werden. Statt in diesem Spannungsfeld zu handeln, wartet der Markt lieber auf Jean-Claude Trichet. Da die Leitzinsen vermutlich unverändert bei drei Prozent bleiben dürften, kommen den begleitenden Worten des obersten Währungshüters große Bedeutung zu. Es kann aber auch sein, dass selbst diese Wegweisung keine sofortige neue Richtungsentscheidung bringt. Denn Notenbankpräsidenten drücken sich meist diplomatisch aus. So lange keine eindeutigen Verkaufssignale vorliegen, bleiben die chancenorientierten Investoren deshalb im Markt. Die Signale sind grün.

Vorsicht nach Kurssprung

August 20, 2006

Rund 3,5 Prozent konnte der DAX in der letzten Woche zulegen. Unsere Grün-Signal war somit richtig.  Kein Wunder aber, dass nun die Anleger etwas vorsichtiger werden dürften. Grund: die Ursachen des jüngsten Börsensommers sind zwiespältig. Schließlich schoben sich die Kurse nach oben, weil die Preisentwicklung in den USA eine spürbare Konjunkturabkühlung signalisierte. An der Zinsfront wurde diese Meldung bejubelt. Schließlich könnte jetzt die Notenbank ihre Zinspause verlängern. Entsprechend reagierten die Aktien mit einem Freudensprung. Denn die Aussicht, dass steigende Zinsen nicht mehr zu befürchten wären, beflügelt die Dividendenwerte sozusagen „kraft Amt“.  Diese kurzfristige Sicht übersieht jedoch, dass eine sich abschwächende ökonomische Entwicklung irgendwann auch die Unternehmensgewinne treffen dürfte – und das wäre nun weniger gut für die Kursentwicklung. Diesen Effekt Numero zwei hat die Börse schlichtweg verdrängt oder wollte ihn nicht sehen. Da nun die Skeptiker jedes Haar in der Suppe suchen, sollte es nicht überraschen, wenn die negative Seite der Medaille ins Visier gerät. Daraus können Gewinn-Mitnahmen resultieren, zumal sich der DAX langsam der wichtigen Wendemarke von 5864 Zählern nähert. Dort verläuft eine kurventechnische Entscheidungslinie, die von den großen Adressen durchaus beachtet wird. Im Frühjahr konnte diese Hürde überwunden werden. Doch das war im nach hinein eine Bullenfalle. Deshalb wird der Marke 5864 im zweiten Anlauf eine große Bedeutung beigemessen. Normalerweise schaffen selbst optimal laufende Märkte solche Widerstände nicht ohne Verzögerung. Wie dem auch sei, mehr als eine Delle sehen die Marktbeobachter für den DAX zunächst nicht. Die Ampeln bleiben grün.

 

Beeindruckende Nehmerqualität

August 11, 2006

Einstecken – wegstecken – weiterkämpfen! Angesichts der vielen Tiefschläge der letzten Woche zeigt sich die Börse erstaunlich robust. Bedenkt man die Terrormeldungen, die Kriegslage im Nahen Osten mit dem hohen Ölpreis, die miserable Ausblicke der Deutschen Telekom und von TUI sowie die offenen Flanken an der Inflationsfront, so hätte der Börsenindex eigentlich deutlich einbrechen müssen. Doch außer Rückschlägen bei Einzelwerten zeigte sich der Markt aufnahmefähig und verlor nur wenig. Der DAX konnte sich in der Schiebezone zwischen DAX 5600 und 5700 halten und beweist damit, dass offenbar viele Investoren darauf gewartet haben, bei negativen Meldungen einzusteigen. Anders lässt es sich kaum erklären, dass selbst Trendbrüche wie ein zeitweiliger Rutsch auf 5570 Punkte keine Nachfolge-Verkäufe auslöste. Einige Marktbeobachter verweisen in diesem Zusammenhang auf die jüngste Statistik zum Aktienbesitz. Sie zeigt, dass viele Privatanleger die Börse im letzten Halbjahr verlassen haben. Von deren Seite kann somit kaum noch Material zum Abverkauf kommen. Wenn aber die verbleibenden Profis selbst bei einer irren Nachrichtenlage die noch vor einigen Monaten einen mittleren Crash ausgelöst hätte, weitgehend ruhig bleiben, könnte das für das Häuflein der Aufrechten eigentlich hoffnungsvoll sein. Denn es werden auch wieder Tage ohne Sirenen-Geheul kommen. Spätestens wenn die saisonale Schwäche rein kalendermäßig beendet ist, dürften sich die Fonds zum Jahresendegeschäft rüsten. Dann kommen Investoren, die nun massenhaft an der Seitenlinie stehen, beim Wieder-Einstieg in Zugzwang.

 

Der Markt kann aber keine großen Sprünge machen kann, so lange die trübe politische Großwetterlage anhält. Ohnehin steht der Wegweiser für die nächste größere Richtungsentscheidung nicht bei uns, sondern in Amerika. Dort kommen neue Daten zu den Erzeuger- und Verbraucherpreise, von denen die US-Notenbank ihre weitere Zinspolitik abhängig macht. Sollte der Markt dort ebenfalls Nehmerqualitäten zeigen, bleibt Optimismus gerechtfertigt. Noch ist die Ampel grün.

Tauziehen hält an

August 5, 2006

Ein Knochen und zwei Hunde geben keine ruhige Stunde. In der Tat. Langweilig ist es den Börsianern zur Zeit trotz der sommerlich dünnen Umsätze nicht. Der DAX schwankt stark, weil unterschiedliche Zugkräfte auf ihn einwirken. Die anfängliche Euphorie über eine angebliche Zinspause in Amerika kippte bald um. Schließlich geben der schwächere US-Arbeitsmarkt und die gleichzeitig hohen Stundenlöhne genau jenen Skeptikern Recht, die in den kommenden Monaten ein Abdriften der US-Konjunktur ohne Entwarnung an der Inflationsfront sehen. Das wäre für die Aktien ein doppelt wirkender Bremsklotz, ohne Zweifel. Der hohe Ölpreis und die ungewisse Entwicklung im Nahen Osten sind weitere Belastungen, die immer wieder zu Verkäufen führen. Als ultimativen Stimmungskiller haben die Pessimisten außerdem die bevorstehende Hurrikan-Saison im Köcher.

 

Das andere Lager, das sich ebenfalls um die mageren Brocken der Anleger balgt, sieht in der gegenwärtigen Lage ungeheure Chancen.  Die Unternehmensberichte zeigen eine teilweise sensationell gute Ertragslage, die nur deshalb nicht zu Kursausbrüchen führt, weil eben das Börsenumfeld durch die geopolitische Zuspitzung und die Ungewissheit der weiteren Zinspolitik stark gehemmt sei. Solange keine weiteren Verschlechterungen kommen, könnte sich das negative Geschwurbel und die damit verbundene Angstprämie in steigenden Aktienpreisen auflösen, so die Hoffnung.  Die kommende Woche bringt dazu einen wichtigen Etappenschritt. Sollte sich US-Notenbank-Chef Bernanke am Dienstag von der Zinsschraube fernhalten, wäre zumindest eine Ungewissheit weniger im Markt. Kursbefreiend dürfte das allein aber nicht wirken. Denn die Mehrheit der Anleger rechnet schon mit der amtlichen Besiegelung einer Zinspause. Zur Fortsetzung der Sommerrallye braucht es noch weiteres Dynamit. Noch ist die Ampel jedoch grün.