Archive for July, 2006

Zinsangst geht – Kurse kommen

July 29, 2006

Zweimal gab es in der abgelaufenen Woche Brems-Meldungen. In Deutschland kühlte der Ifo-Geschäftsklimaindex ab. In Amerika entwickelte sich die Wirtschaft nicht so stark wie vermutet. Dieses ökonomische Stirnrunzeln hatte für die Aktienkurse aber keine negativen Auswirkungen. Im Gegenteil. Weil damit gleichzeitig die Angst vor schnell steigenden Zinsen schwindet, zogen die Werte an. Am Freitagabend erreichte das deutsche Börsenbarometer mit über 5700 Zählern sogar wieder seinen Stand von Ende Juni. Dieses Wochenplus von über vier Prozent gibt dem Markt mentale Stärke, um die nächste Runde der Berichtssaison zu überstehen.

Deutet sich nun auch in Euroland eine Zinspause an, würde das den Markt stützen. Charttechnisch haben die Aktienkurse aber bereits eine Zone erreicht, von der aus Rückschläge nicht überraschen sollten. Denn schon zweimal prallte der Index im Bereich von 5700 Punkte ab. Außerdem kann man damit rechnen, dass durch den steigenden Euro bald wieder von Belastungen für deutsche Exportwerte gesprochen wird. Das wäre für die Kurse negativ. Die Kämpfe im Nahen Osten spielten keine beherrschende Rolle. Hier dominiert die Hoffnung auf Krisen-Eindämmung. So lange es nicht zu einer weiteren Eskalation kommt, dürfte von dieser Ecke keine edrohung der Börsenkurse mehr ausgehen. Signal nun wieder grün

Hans Schmid

Schnelles Ende der Zinsparty

July 22, 2006

Die Feier dauerte nicht lange. Schon nach einem Tag waren die Zinspausen-Festspiele an der Börse beendet. Zuvor hatte der US-Notenbankchef Bernanke indirekt ein Ende der Zinserhöhungen angedeutet und damit die Börsen weltweit auf Trab gebracht. Der DAX stieg zwischenzeitlich wieder deutlich über 5500 Punkte und schien das Sommerloch verlassen zu wollen. Doch einige schwache Unternehmensberichte aus dem Technologie-Bereich erstickten das Strohfeuer schnell.  

Auffallend ist, dass man zur Zeit nur darauf achtet, was in den Unternehmensberichten zur künftigen Ertragsperspektive gesagt wird. Kräftige Gewinnsteigerungen für zurückliegende Monate werden als „verbucht“ registriert und führen zu keinen weiteren Kursverbesserungen, auch wenn die Erträge über den Prognosen liegen. Offenbar hat man das einkalkuliert. Weit mehr wiegen derzeit der auf Rekordhoch gestiegene Ölpreis, der ausufernde Konflikt im Mittleren Osten sowie die Sorge vor einer Abschwächung der US-Konjunktur. Letztlich zeigt das aktuelle Schwankungsverhalten, dass die Marktteilnehmer völlig verschiedene Bewertungsmaßstäbe haben. Somit dürfte der Sägezahnmarkt andauern, obwohl den Aktien auf mittlere Sicht ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis eingeräumt wird. Bevor es wieder aufwärts gehen kann, müssen offenbar die Leidensgrenzen der Anleger getestet werden. „Auf den Pfaden der Mühsal wandelt die Tugend“ wusste schon Euripides  und gibt den Börsianern Mut, die augenblickliche Durststrecke zu überstehen. Signal: rot

Stabil in der Zwickmühle

July 9, 2006

Nach außen herrscht Ruhe. Innen regiert Unsicherheit. So präsentiert sich die Börse im Wochenvergleich zwar nach Punkten unverändert bei DAX 5680. Doch dieser Stillstand kann nicht darüber hinweg täuschen, dass hinter den Kulissen heftig um die weitere Richtung gerungen wird. Die meisten Marktbeobachter gehen zwar davon aus, dass die Unternehmensgewinne für 2007 weitgehend gemäß den Schätzungen ausfallen werden und sehen daher spätestens bis zum Jahresende wieder eine gute Börsenlandschaft. Doch der Weg dahin dürfte nicht ohne Umwege erreichbar sein. Eine erkennbar restriktivere Notenbankpolitik mit tendenziell steigenden Zinsen, der nur zaghafte Reformwille in der Politik und Konjunktursorgen, vor allem in den USA, geben den Skeptikern immer wieder Anlass zur Vorsicht. Hinzu kommt, dass der Markt nach den Mai-Turbulenzen und der anschließenden Erholung nun eine Zone hineinläuft, in der Spät-Verkäufer eine gute Chance sehen, den spekulativen Konvent noch mit anständigen Gewinnen zu verlassen. Deshalb läuft der DAX immer wieder in einen Tempo-Begrenzer hinein, so als ob bei 5700 Punkte das Benzin abgeriegelt wird.  So ist eine weitere eher ruhige Woche zu erwarten, in der sich die Zwickmühle noch nicht auflöst und die Orientierungsphase verlängert. Die Ampel noch grün.

Gefühlte Zuversicht wächst

July 1, 2006

Manchen Leuten kann es die Börse nie recht machen. Zuerst war der Einbruch angeblich zu heftig. Nun geht die Erholung nach Meinung einiger Marktteilnehmer zu schnell. Immerhin hat der DAX in der abgelaufenen Woche nach anfänglicher Schwäche eine  starke Vorstellung gegeben und sich mit 5683 Punkten robust aus dem ersten Halbjahr verabschiedet. Vom Jahrestiefpunkt Mitte Mai sind damit schon wieder über 400 DAX-Zähler aufgeholt. Markttechniker hätten lieber gesehen, wenn es zu einem Doppelboden gekommen wäre. Das sei stabiler, heißt es. Doch letztlich entscheiden nicht die Kurvenmaler, sondern die Investoren, gut so. Unter diesen mehren sich die Zuversichtlichen.  Ihnen zeigen die jüngsten Daten aus den verschiedenen Prognose-Küchen, dass zwar Gefahren für die Geldwertstabilität und damit Zinssorgen bestehen, dass diese aber gleichzeitig im Griff zu halten sind wie Elfmeter-Schüsse durch Jens Lehmann. Devise: Auch wenn sich die Notenbanken von Inflationsgefahren treiben lassen, ist ein kurzfristiger Konjunkturabschwung nicht unbedingt zu erwarten.  So entlud sich ein tagelang zurück gehaltener Anlage-Druck und trieb die Kurse nach oben.

Da die jüngsten Kurssprünge mit dem Quartalsende zusammen fielen, sollte es nicht überraschen, wenn es zunächst wieder zu einer Beruhigung kommt. Schließlich sind die Dollar-Entwicklung sowie die aktuellen politischen Beschlüsse mit ihrer konjunkturdämpfenden Wirkung nicht geeignet, eine steile Börsenfahrt zu begleiten. Also kein Rundum-Sorglos-Paket, aber wieder mehr gefühlte Zuversicht in mittlerer Sicht.