Archive for June, 2006

Blockade vor Zinsentscheid

June 25, 2006

Während die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihren Elch-Test bravourös bestanden hat, muss die Börse erst noch beweisen, wie standhaft sie ist. Zwar hat sich der DAX wieder oberhalb von 5500 Punkten einrichten können, doch das ist nur ein Teil-Erfolg. Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit.   Erwartet wird die 17. Erhöhung des US-Leitzinsen in Folge. Davon läßt sich der Markt zur Zeit blockieren. Die Aktionäre achten insbesondere auf die Begründungen. Sollte Notenbank-Präsident Bernanke klar sagen, was er und seine Berater denken, würde das dem Markt helfen. Wahrscheinlicher sind jedoch Orakelsprüche, die letztlich vieles offen halten.  Vermutlich müssen erst die Zahlen des zweiten Quartals schwarz auf weiß auf dem Tisch liegen, bevor neuer Schub möglich ist. Bis dahin haben eher die Markttechniker das Wort. Diese orientieren sich an Unterstützung und Widerstand. Hier gilt der Wert DAX 5475 als wichtige Bremsmarke. Unter dieses Niveau sollte das Börsenbarometer in den nächsten Tagen nicht fallen, um weiter eine Chance auf eine Sommer-Rallye zu haben.

 

Rätsel um Geistercrash

June 17, 2006

In der Talsohle lichtet sich der Nebel. Zwar weiß man immer noch nicht genau, warum die Börse in den letzten Wochen fast 900 DAX-Punkte verloren hat und die Monopoly-Karte „Gehe zurück auf Start“ wörtlich befolgte. Doch nach einem starken Gegenschub in Richtung DAX 5400 keimt neue Zuversicht.  

Börsenhistoriker verweisen darauf, dass es auch früher immer wieder einen Geistercrash gegeben hat, dessen Ursachen letztlich nur in der Risikostruktur des Marktes selbst liegen. Die angedichteten Gründe sind jeweils nicht stichhaltig genug, um einen 13%-Verfall der Standardwerte zu begründen. Sofern nicht einige Anleger-Gruppen bereits mehr wissen und ihre Motive erst später verlautbaren, war es eine Mixtur aus Überspekulation und Sicherungstrieb, die zu den Turbulenzen geführt hat. Ist die Gewinn-Mitnahme-Lawine erst einmal im Rollen, lässt sich der selbst verstärkende Abwärts-Schub kaum noch bremsen. Das haben wir erlebt. Nun ist der verdorbene Cocktail verdaut, die Zinsflüsterer werden leiser, man besinnt sich wieder auf die realen Güter- und Geldströme. 

Bei einigen Finanzwerten beginnen Schnäppchenjäger  bereits zu rechnen, ob sich ein Neu-Einstieg lohnt. Viel Kapital, das durch die Gewinn-Mitnahmen freigesetzt wurde, lauert nun an der Seitenlinie, gewiss. Doch dürften diese Mittel nicht sofort wieder zurück investiert werden. Vielmehr deuten sich Etappenkäufe an, sofern die Jahrestiefs nicht mehr unterschritten werden. Noch ist der Markt angeschlagen, doch nicht ohne Zuversicht.  

Frühkäufer waren im Abseits

June 11, 2006

Fußballerisch gesehen sind die Optimisten an der Börse in eine Abseitsfalle gelaufen. Denn sie haben nicht bemerkt, dass sie zu früh nach vorne gestürmt sind. Der Markt war nach dem ersten Ausverkauf noch nicht bereinigt: Vier Prozent minus erneut. Zu denken gibt, dass nun auch ein länger angelegter Aufwärtstrend gebrochen wurde. Noch mehr verängstigt hat die Sorge, dass wir Inflation zusammen mit geringem Wachstum bekommen könnten. Dafür gibt es das Unwort „Stagflation“ – gemeinhin ein rotes Tuch für Börsianer.   

Die kommende Woche dürfte noch keine Ruhe bringen. Grund ist der große Verfallstag an der Terminbörse, der bis Freitag Mittag undurchsichtige Situationen schafft. Es ist unklar, auf welchem Kursniveau sich der Markt der Zeitgeschäfte ausgleicht.

Eine vorläufige Bilanz der schmerzhaften Korrektur zeigt, dass vor allem jene Werte eifrig verkauft wurden, die zuvor stark gestiegen waren. So paradox es klingt: Dieser Befund ist tröstlich. Denn er deutet klar auf das Motiv Gewinnmitnahme hin. Man wollte einfach die so schön aufgelaufenen Kurse nicht wieder den Bach ab gehen sehen. Dass dabei auch irrational nach unten übertrieben wird, gehört zu den Marktgesetzen wie die vorher nach oben ausgedehnten Ausschläge.  Schlechter wäre es, wenn hinter den Verkäufen tatsächliche Änderungen der wirtschaftlichen Kräfte stünden. Doch bislang finden sich für die Stagflationssorge keine Befunde. Die zunehmenden Ängste, die von einem weiteren Ausverkauf reden, werden deshalb schon wieder als Kaufargument gesehen. Denn viele Investoren handeln nach dem Motto: Die Mehrheit hat selten recht. Weil gegenwärtig schon wieder stark gejammert wird, legt man sich daher auf die Lauer und sucht den unteren Umkehrpunkt.  Erkennbar ist bereits ein Nachlassen des Abgabedrucks. Die durchschnittliche Größe der Verkaufsaufträge hat in der letzten Woche spürbar abgenommen. Es kommt also bereits weniger Material aus dem Markt als Mitte Mai. Noch aber gilt gemäß unserer Regel die eiserne Devise: Eher Short!

Unsicher im Seitwärtstrend

June 3, 2006

Nachdem der Mai seinem Ruf als Trendbruch-Monat gerecht wurde, kehrt nun wieder etwas mehr Gelassenheit an die Börse zurück. Noch sind die täglichen Ausschläge nach unten und oben sehr hoch. Bislang konnte sich aber der Markt nach den jeweiligen Attacken wieder erholen und schwankte um DAX 5700.  Abwechselnd werden Zinsängste, Konjunktursorgen oder der steigende Euro als Ursache für die zittrige Börse genannt.  Neben diesen oberflächlichen Erklärungen kam auch eine Meldung der Europäischen Zentralbank, dass man sich wegen der Aktivität von Hedge-Fonds Sorgen um die Stabilität der Finanzsysteme mache. Möglicherweise hat diese Information mehr bewirkt als zugegeben wird. Denn schon einmal löste die Schieflage eines internationalen Hedge-Fonds Turbulenzen aus. Nachdem die Notenbank jetzt aber offen über das Thema spricht, dürfte eine akute Gefahr bereinigt worden sein, sofern sie überhaupt bestanden hat. Die Märkte haben dies als Signal verstanden, dass man von dieser Seite nun „geheilt“ ist. Kurzfristig dürfte trotzem die unsichere Lage noch anhalten, meinen die meisten Marktbeobachter, weil nach dem Ende der Berichtssaison keine wirklich neuen Meldungen zu erwarten sind und von daher die Kurventechniker freies Spiel haben. Hier gilt: Chart geht vor Sentiment, d.h. solange die engen Aufwärtstrends nicht zurückerobert sind, werden immer wieder Störfeuer kommen. Allerdings zeigen die langfristigen Trendverläufe innerhalb eines größeren Zeitfensters, dass bislang noch gar kein Bruch vorliegt.  Lediglich der Anstiegswinkel ist flacher. Aber er zeigt noch nach oben. Das ist eigentlich normal für eine Konsolidierung, wenn der Börsenmotor vorübergehend heiß gelaufen ist.  Die Chancen für eine Bodenbildung sind damit gegeben, sie muss aber Zeit haben, sich zu formen. Ungeduldige Börsianer sollten vielleicht statt den Kursblättern lieber die Mannschafts-Aufstellung der kommenden Fußballspiele studieren. Das lenkt ab und gibt anschließend den Blick frei auf die nach wie vor attraktiven Bewertungen der europäischen Blue-Chips. Selbst wenn man die Gewinn-Schätzungen für 2007 um einige Prozentpunkte nach unten revidieren sollte, wovon bislang aber nichts zu sehen ist, ergeben sich im historischen und im internationalen Vergleich günstige Ausgangslagen.  Noch ist das 20-Tage-Modell aber "rot".