Archive for May, 2006

Risiko kehrt zurück

May 27, 2006

Der freundliche Wochenschluss überdeckt die Hektik. Zuvor hatte es nochmal gescheppert. So heftig, dass der DAX bis unter 5500 Zähler nach unten plumpste. Anschließend nahm der Markt sofort wieder Kurs in Richtung 5800. Kurzfristig ist damit die Panik gebannt. Doch viele Investoren sind nun innerlich geschockt. Mit so einem kräftigen Schuss vor den Bug hatten sie nicht gerechnet. Sie fürchten, der Anstieg könnte "angetäuscht" sein. Man kennt das von Bärenmärkten. Manch ein Wackelkandidat dürfte deshalb eine innere Emigration vorbereiten, die beim nächsten Schwäche-Anfall zu ruckartigen Verkäufen führt.

In der vergangenen Woche war die Nachfrage nach Anleihen hoch. Das zeigt, dass die Angst vor steigenden Zinsen nicht der eigentliche Grund des Rückfalls gewesen sein kann. Denn dann wären ja Anleihen der falsche Fluchthafen. Vielmehr zeichnet sich ab, dass es wohl Wachstumssorgen sind, die bei den großen Adressen zum Nachdenken und zu Gewinnmitnahmen führten. Hinzu kommt, dass durch die weltweit gleich geschalteten Sicherheits-Kontroll-Systeme bei Abwärtsbewegungen ein spürbarer Selbstverstärkungs-Effekt eintritt. Ein Computer-Signal löst dabei das nächste aus. So erklärt sich auch, dass nahezu alle aufgeblasenen Märkte Luft ließen. Früher konnten bei Rückgängen der Aktien die Rohstoffe und Edelmetalle profitieren. Nun sanken auch diese Bereiche, weil dort ebenfalls bereits eine Überspekulation vorlag. Die Markt-Mechanismen an sich sind somit ein Risiko, gehören aber zur Börse wie der Schaum zum Weißbier. Wir hatten nur drei Jahre davon kaum etwas gesehen. Nun ist das Risiko zurückgekehrt und die Börsianer werden wieder mit ihm leben. Solange der Haupttrend hält, muss man die  Schwankungen aushalten. Das 20-Tage-Modell zeigt noch rot, könnte aber schon in einer Woche wieder auf grün springen, sofern keine neuen Verkäufe kommen.

Chaostage im Stammhirn

May 20, 2006

Crash auf Ansage: Nach dem Signal von letzter Woche (Sell) ging der DAX richtig zur Sache.Immer wenn eine Spekulationsblase platzt, regiert dabei das Stammhirn. So auch dieses Mal.  Dort sitzen die seit den Tagen der Büffeljagd entstandenen zum Überleben in der Wildnis wichtigen Steuerknüppel mit der Aufschrift: Weg da! Raus aus der Gefahrenzone! So kam es, dass selbst große DAX-Unternehmen seit dem 5-Jahres-Hoch vor einer Woche zeitweilig fast zehn Prozent (!) an Wert verloren. Der DAX notierte im Tief unter 5600 Punkte. Erst am späten Freitagabend gab es leichte Erholungsanzeichen in Richtung 5700. Die Nebenwerte und insbesondere die High-Tech-Unternehmen wurden noch deutlicher „gerupft“.  Auffallend waren eine hohe Nervosität sowie die Tatsache, dass die Kurse abstürzten, obwohl der Ölpreis auch fiel und die Zinsen eigentlich stabil blieben. Klar, dass hier weder einzelne Unternehmensdaten noch aktuelle Zinsentwicklungen Ursachen einer so starken Bewegung sein können.  Die Märkte wissen seit Wochen, dass 2007 die Konjunktur einen Dämpfer erwartet, dass die Leitzinsen steigen und dass die augenblickliche Währungsentwicklung Risiken birgt. Das allein hätte den Ausverkauf wohl nicht bewirkt. Zumindest nicht in diesem Ausmaß. Man wusste allerdings nicht, ab wann das Investoren-Stammhirn die Raubtiere im Unterholz als akute Gefahr wahrnimmt.  Dazu gibt es keine Rechenmodelle.  Es hätte schon im Februar oder auch schon im  November letzten Jahres passieren können. Nun war es eben der Mai, der ein Ende der Überspekulation brachte.  Da die Kurse seit nahezu drei Jahren gestiegen waren, empfindet man die Korrektur allerdings als sehr heftig. Kein Wunder, wer hoch steigt, kann tiefer fallen. In Panik erst recht.  Nüchtern betrachtet rutschte das Börsenbarometer aber lediglich in einen flacheren Anstiegskanal zurück. Langfristig könnte das gesünder sein, als wenn der Markt in eine steile Fahnenstange hineingelaufen wäre. Erste Schnäppchenjäger traten auch bereits auf und kündigten Rückkäufe an.

 

Vorsichtige Anleger werden die aus Angst entstandene neue Lage nicht unterschätzen. In den aktuellen Börsenpreisen ruhen noch immer erhebliche Kursgewinne, die ebenfalls „gesichert“ sein wollen, wenn es nicht bald wieder aufwärts geht. Deshalb dürfte es in den nächsten Tagen unruhig bleiben.  Sind die Trend-Mitläufer weitgehend aus der Zentrifuge herausgeschleudert, sortieren Investoren mit Blick auf Dividende und Substanz ihre Depots neu. Dabei dürften defensive Werte und Rohstoff-Aktien sowie Nachzügler und Übernahmekandidaten bevorzugte Adressen sein. Allgemeine Entwarnung entsteht jedoch erst, wenn sich daraus ein neuer Aufwärtstrend gebildet hat.  Solange dieser nicht vollzogen ist, gilt die Devise: Holzauge, sei wachsam.

Eisheilige kühlen Börse ab

May 13, 2006

Vom Ferrari zurück aufs Dreirad. Innerhalb von zwei Tagen bremste die Börse so stark ab, dass nun selbst hart gesottene Optimisten ins Grübeln kommen: Ist damit der Aktien-Sommer vorbei? Am Donnerstag noch erreichte der DAX mit 6162 ein Fünfjahres-Hoch. Doch offenbar wurde dieser nervöse Rekord vorwiegend dazu benutzt, um heiße Papiere ab zu stoßen. Denn ohne neue grundlegende Nachrichten rutschte anschließend der gesamte Markt rasant ab.  Im nachbörslichen Handel am Freitag lag der  DAX 280 Zähler tiefer bei 5881.  Die meisten Börsenberichte reden von Zinsangst, die diesen Kursrutsch ausgelöst habe. Das mag sein, wenn es um den letzten Tropfen geht, der das Fass zum Überlaufen bringt. Doch die wahren Ursachen liegen tiefer. Wir hatten schon Ende April an dieser Stelle geschrieben: „Von den realen Güter- und Geldströmen her können Aktien, Zinsen, Rohstoffe und Edelmetalle nicht über eine längere Periode hinweg alle gleichzeitig steigen. Mindestens einer der Beteiligten liegt falsch. Man weiß nur nicht, wer.“ Bereits vor drei Wochen bahnte sich somit ein klassischer Zielkonflikt an. Die „üblichen Verdächtigen“ hätten schon damals einen Dämpfer bewirken können.  Doch die reichlich vorhandenen Geldmittel, die an den Aktienmarkt drängten, überdeckten alle Risiken. Erst jetzt hat sich die Gleichung mit fünf Unbekannten aufgelöst. Manchmal braucht der Markt eben länger, um Klarheit zu schaffen.  Gold, Öl, Zinsen und Euro dagegen stehen als Gewinner da. Aktien haben die "Arschkarte" (zumindest kurzfristig).

Der schwache Dollar verführte natürlich viele US-Anleger zum „Kasse-Machen“. Aus Sicht eines amerikanischen Anlegers hatte der deutsche Aktien-Markt aufgrund von Kurs- und Währungsgewinnen bereits ein Allzeit-Hoch markiert, mithin den Stand von 2000 wieder erreicht. Das reizte einfach dazu, den Rahm abzuschöpfen. Außerdem: Die jüngsten Steuerbeschlüsse werden im Ausland als Zeichen der Reform-Unfähigkeit und als  Brems-Signal für den ökonomischen Aufschwung gewertet  -  warum dann investiert bleiben?   Da der Markt nun in ein „Berichtsloch“ zu fallen droht, dürften die charttechnisch orientierten Marktteilnehmer das Geschehen dominieren. Hier wird bei DAX 5870 eine erste Unterstützung gesehen. Nach oben gilt aber bereits die 6000er Grenze als Tempo-Begrenzer. Alles in allem haben die „Eisheiligen“ der Börse mit kalten Wasser (brrr) den „Kopf gewaschen“ und kein Handtuch gereicht. Sophie, erbarm!

Harter Trendbruch

May 13, 2006

Am 11. Mai noch 5-Jahreshoch bei DAX 6162, doch der anschließende Absturz führte dann im Laufe des Freitag, 12. Mai, zum klaren Trendbruch der 20-Tage-Linie. Die anschließende Purzel-Serie bis 5888 (nachbörslich) besätigt das Short-Signal. Die Börsen-Ampeln stehen damit im kurzfristigen Primär-Trend auf rot.

DAX läuft heiß

May 6, 2006

Sonne, Sommer, Superbörse. Nach einem kurzen Rückschlag unter 6000 Zähler gaben die Optimisten noch einmal richtig Gas und hievten das Börsenbarometer im späten Freitagabendhandel auf über 6130 Zähler.  Obwohl die Entwicklung an den Devisenmärkten Warnsignale liefert, will der Markt offenbar in eine Fahnenstange hineinlaufen und dürfte nun kurzfristig wie ein stark beanspruchter Dynamo richtig heiß werden.  Denn wie so oft bei Börsenphasen, die anders erwartet werden, liegt die Mehrheit falsch und wird nun – sofern der Trend nachhaltig ist – , den Vorgaben der Trendsetter folgen. Die zähe Entwicklung um den Monatswechsel und der zeitweilige 100-Punkte-Abtaucher hatten zunächst den Eindruck verstärkt, dass die schon länger erwartete Korrektur der seit über drei Jahre andauernden Aufwärtsentwicklung anstehen könnte. Doch die Pessimisten rechneten nicht damit, dass der steigende Euro vom Markt ignoriert wird.  Offenbar zählen die Aussichten auf weiterhin gute Gewinne wesentlich mehr als negative Einflüsse aus der Währungsentwicklung. Zum vierten Mal in Folge siegten somit in diesem Jahr die „Bullen“ über die „Bären.“Das bevorstehende Ende der Dividendensaison veranlasste kaum einen Investor, auszusteigen. Nach Zahlung der Gewinn-Ausschüttung kamen die Kurse der betroffenen Aktien kaum unter Druck.  Man nahm seinen Anteil, verkaufte aber die Kuh nicht, die so vortreffliche Milch gibt. Sie kann ja im nächsten Jahr wieder gemolken werden. So kam kein wesentlicher Verkaufsdruck auf und die Investoren gingen mit den frisch getankten Euros wieder auf Schnäppchensuche. Nun stehen bis Ende Mai nur noch zehn große DAX-Unternehmen mit ihrer Dividende am „Cash-Point“. Vermutlich werden auch die Zahltage dieser Firmen eher Käufer als Verkäufer anlocken. Denn das verdiente Geld wird meist umgehend an die Börse gelenkt. Auch wenn Dividenden bereits beliehen sind und zur Tilgung von Krediten verwendet werden, bleibt die Aktie im Depot, So jedenfalls in diesem Jahr. Wichtig ist nun, ob der Durchbruch in Richtung neues Jahreshoch, der bisher nur im nachbörslichen Geschäft gelaufen ist, auch vom breiten Markt unterstützt wird. Dazu hat die Börse bis etwa Mittwoch Zeit. Immerhin könnte es ja auch sein, dass die nun beginnende Euphorie-Phase auch dazu benutzt wird, einen guten Absprung zu schaffen. Bei Partys und Börsen gilt: Wer als letzter geht, hat den besten Zeitpunkt verpasst.