Der freundliche Wochenschluss überdeckt die Hektik. Zuvor hatte es nochmal gescheppert. So heftig, dass der DAX bis unter 5500 Zähler nach unten plumpste. Anschließend nahm der Markt sofort wieder Kurs in Richtung 5800. Kurzfristig ist damit die Panik gebannt. Doch viele Investoren sind nun innerlich geschockt. Mit so einem kräftigen Schuss vor den Bug hatten sie nicht gerechnet. Sie fürchten, der Anstieg könnte "angetäuscht" sein. Man kennt das von Bärenmärkten. Manch ein Wackelkandidat dürfte deshalb eine innere Emigration vorbereiten, die beim nächsten Schwäche-Anfall zu ruckartigen Verkäufen führt.
In der vergangenen Woche war die Nachfrage nach Anleihen hoch. Das zeigt, dass die Angst vor steigenden Zinsen nicht der eigentliche Grund des Rückfalls gewesen sein kann. Denn dann wären ja Anleihen der falsche Fluchthafen. Vielmehr zeichnet sich ab, dass es wohl Wachstumssorgen sind, die bei den großen Adressen zum Nachdenken und zu Gewinnmitnahmen führten. Hinzu kommt, dass durch die weltweit gleich geschalteten Sicherheits-Kontroll-Systeme bei Abwärtsbewegungen ein spürbarer Selbstverstärkungs-Effekt eintritt. Ein Computer-Signal löst dabei das nächste aus. So erklärt sich auch, dass nahezu alle aufgeblasenen Märkte Luft ließen. Früher konnten bei Rückgängen der Aktien die Rohstoffe und Edelmetalle profitieren. Nun sanken auch diese Bereiche, weil dort ebenfalls bereits eine Überspekulation vorlag. Die Markt-Mechanismen an sich sind somit ein Risiko, gehören aber zur Börse wie der Schaum zum Weißbier. Wir hatten nur drei Jahre davon kaum etwas gesehen. Nun ist das Risiko zurückgekehrt und die Börsianer werden wieder mit ihm leben. Solange der Haupttrend hält, muss man die Schwankungen aushalten. Das 20-Tage-Modell zeigt noch rot, könnte aber schon in einer Woche wieder auf grün springen, sofern keine neuen Verkäufe kommen.