Archive for March, 2006

Fusionsfantasien halten Börse am Kochen

March 25, 2006

Aspirin und Anti-Baby-Pille am Trau-Altar: Das beugt vor gegen Börsenkopfweh und unerwünschte Kurskorrekturen. So setzte in der vergangenen Woche die Fusionsankündigung der Pharma-Sparte von BAYER mit Schering neue Fantasien frei. Man rechnete sofort mit Zusammenschlüssen auch in anderen Branchen und kaufte mögliche weitere Kanditaten ein. Motto: Einer wird gewinnen. In diesem Umfeld konnte der Markt nicht korrigieren, obwohl das viele Investoren erwartet hatten. So schraubte sich der DAX stramm nach oben und notiert nun mit 5973 Zähler. Die 6000 zum Greifen nahe.

Vor allem ausländische Anleger kaufen unbekümmert weiter.

Kurzfristig stimulieren also hauptsächlich Möglichkeiten für Übernahmegewinne. So notierte Schering monatelang zwischen 50 und 60 Euro. Nun werden dafür 86 Euro bezahlt. Dieser Unterschied macht sinnlich, gewiss. Denn auch in anderen Unternehmen stecken wohl ähnliche stille Reserven. Solange das neu entfachte „Wer-mit-wem-Puzzle“ weitergespielt wird, dürften die immer noch möglichen Kurs-Korrekturen deshalb wieder eher kurz und bescheiden ausfallen. Gefährlich könnte es allerdings werden, wenn die Börse in einen längeren Zinsschatten hineinsteuert und den Fusionsbastlern keine neue Idee mehr einfällt. Bis dahin aber gilt: 20-Tage-Modell bleibt grün.

Kommt nach Rekord nun ein Bremskanal?

March 18, 2006

Erwartung und Wirklichkeit sind an der Börse zwei Königskinder, die selten zusammenfinden. 

So schaffte es das Börsenbarometer zwar in der letzten Woche, über das bisherige Hoch auszubrechen und bei DAX 5947 ein neues Top zu markieren. Doch anders als in Boom-Zeiten wirkte der aktuelle Hürdensprung nicht als Ansporn. Im Gegenteil. Zu viele Investoren waren nur widerwillig in den Markt gegangen, weil der Wettbewerb mit anderen dies förmlich „erzwungen“ hatte. Folge: Wochenschluß bei 5882. Noch ist die Phase damit grün, doch der Champion wirkt angeschlagen.

Rechnet man die Aktien der Deutschen Telekom heraus, haben wir in etwa das Kursniveau von Anfang 2000, als die damaligen Übertreibungen in ihre finale Phase kamen. Solche statistischen Vergleich sagen letztlich wenig Exaktes über die Zukunft. Doch es fällt schon auf, dass die Rufe nach Wachsamkeit und Risiko-Reduzierung zu nehmen. 

 

In diesen Phasen ist es sehr wichtig, zwischen den Tages-Spekulanten und den echten Hartbrettbohrern zu unterscheiden. Die Momentum-Spieler werden immer wieder Gewinne einsacken. Das ist normal und sollte auch in den nächsten Tagen nicht verwundern. Steigende Zinsen, steigender Ölpreis und der enorme Kapitalbedarf für die vielen angekündigten Börsenneulinge binden schlichtweg die nötigen Mittel für neue schnelle Rekorde. Ein Rückgang um 100 oder 200 DAX-Punkte würde aber den Langfrist-Trend noch nicht brechen. Da Börsianer bewegungsaktive Herdentiere sind, die einem ranghohen Leitstier meist blind folgen, kann eine erste Korrektur aber schnell weitere Verkäufe auslösen. Das wäre eine weit größere Gefahr. 

 

Solange sich aber Fusions-Fantasien halten, dürfte es vermehrt Spezial-Situationen und Nachzügler-Werte geben, auf die man sich konzentrieren kann, so dass eine wirkliche Trendwende auch bei einem schwächer tendierendem Gesamtmarkt noch nicht erkennbar ist. 

Zurück im Aufwärtstrend

March 11, 2006

War es das schon wieder? Wie schon im Januar zeigte sich der Aktienmarkt nun auch im März sehr ungeduldig und brach seine Warteschleife schon nach wenigen Tagen ab. Mit hohen Umsätzen setzte sich das Börsenbarometer am Freitagnachmittag wieder oberhalb von DAX 5800 in die aufwärts gerichtete Trendspur. Das 20-Tage-Modell schaltet damit wieder auf grün.

Nun muss sich allerdings unmittelbar zeigen, ob die Optimisten genügend Kraft haben, das hohe Tempo zu halten. Zweifel daran gibt es. Denn die Begründungen für den schnellen Richtungswechsel sind teilweise die gleichen Argumente, mit denen auch schon eine gegenteilige Richtung beschworen wurde. Vor einer Woche hieß es,  die steigenden Zinsen seien schuld an der Kurs-Flaute. Nun wird die Entscheidung der japanischen Notenbank, die lockere Geldpolitik aufzugeben, somit auf mittlere Sicht ebenfalls steigende Zinsen anzustreben, plötzlich als Entspannungssignal gedeutet. Welch Wunder! Der Umstand, dass der zeitliche Horizont  nach hinten genommen wurde, entkräftet nicht den eigentlichen Vorgang: Die festverzinslichen Papiere werden gegenüber den Aktien wieder konkurrenzfähiger.  Bislang war die kräftige Erholung vorwiegend eine Art Reflex der Tages-Spekulanten. Die Langfrist-Anleger waren gar nicht ausgestiegen gewesen. Deren Geld hat die aktuellen Achterbahn-Fahrten also nicht bewirkt. Schließen sich nun nicht unmittelbar weitere Käufe an, ziehen die Momentum-Spieler den schnell verdienten Euro ruck-zuck wieder aus der Juke-Box. Das wäre eine klassische Bullenfalle. Gelänge allerdings wie Anfang des Jahres ein Durchmarsch über die bisherigen Jahreshochs hinaus, würde das auf eine Neu-Bewertung der Aktienanlage deuten und weiteres Kapital anziehen.Rein von der Mechanik her gilt: Eher long!

Bedrohung durch Intel-Virus

March 4, 2006

 

Jahreszeitlich gut getimt: Einen Tag vor Aschermittwoch begann die Börse abzuspecken. Was zunächst als Faschingsscherz daher kam, entpuppte sich dann als veritable Implosion. Vom Jahreshoch bei 5917 Zählern plumpste der DAX in mehreren Schüben rund 200 Punkte nach unten. Damit ist der kurzfristige 20-Tage-Aufwärtstrend gebrochen (habe ich bereits gestern gebloggt). Nun wird eine mehrwöchige Konsolidierungsphase erwartet. 

 

Interessant: Dividendenstarke Werte, wie etwa Deutsche Telekom oder TUI behaupteten sich gegen den Trend. Offenbar schichten die Anleger um. Raus aus den bereits gut gelaufenen zyklischen Werten, hinein in defensive Aktien sowie Werte aus der zweiten und dritten Reihe. Diese Favoritenwechsel sind nicht untypisch für eine Verlaufspause innerhalb eines langfristigen Aufwärtstrends. Man weiß nur nicht, wie lange solche Auszeiten dauern und bei welchem Niveau ein Boden gefunden ist. Die letzte Pause Mitte Januar dauerte nur vier Tage. Nun erwarten die meisten Marktbeobachter aber eine längere Durststrecke, weil die Investoren zunächst ratlos sind. Davon zeugen die massiven Auf- und Abschwünge innerhalb eines Börsentages. 

 

Die verhältnismäßig hohen Umsätze während der letzten Tage lassen aber darauf schließen, dass die zittrigen Hände schon draußen sind. Ansonsten wäre der Verfall langsamer abgelaufen.

 

Wichtig ist nun, dass keine weiteren Warnungen vor rückläufigen Geschäften kommen. Der Intel-Virus darf nicht auf andere Branchen überspringen, da ansonsten die zukünftigen Aktienbewertungen neu gerechnet werden müssen. Fazit: Die Börse ist wieder komplizierter geworden, die Achterbahnfahrt kann noch eine Weile weitergehen.  

 

Trendbruch: Jetzt Konsolidierung

March 3, 2006

Heute sank der Markt unter seinen 20-Tage-Durchschnitt. Das bedeutet, bis auf weiteres eher auf der Short-Seite zu agieren. Nähere Erläuterungen morgen.