Im Westen nichts Neues. Der Zufluss an Kapital hält an. Die Aktien-Kurse steigen weiter. Kleine Korrekturbewegungen werden umgehend zum Positionsaufbau genutzt. Die Papiere geraten so zur scheinbar Eier legenden Wollmichsau. Alle kaufen deutsche Aktien, weil sie erwarten, dass alle deutsche Aktien kaufen. Daraus entwickelt sich ein Selbstverstärkungseffekt, den die Aktionäre aus dem Lehrbuch der Boom-Zeiten gut kennen. Erst bei DAX 5870 kam es zu vorübergehenden Brems-Effekten, weil an dieser Barriere die so genannte Zwei-Drittel Marke vom letzten Tiefstand aus dem Jahr 2003 liegt. An diesem Punkt kann es nun zu einer Verschnaufpause kommen. Sicher ist dies aber nicht. Denn bislang zeigt der Markt eigentlich keine richtigen Ermüdungserscheinungen.
In der Diskussion standen zunächst Versorgerwerte, nachdem EON mit einer 29-Milliarden-Barofferte an die spanische Endesa zeigte, dass erstens in der Branche offenbar gut verdient wird und dass zweitens eine Konsolidierungswelle auf europäischer Ebene möglich wird. Die Pläne der Deutschen Börse AG, sich mit Euronext zu verschmelzen, überraschten in dieser Hinsicht dann kaum noch. Neben dem „Erfolg-macht-süchtig-Effekt“ gehören Fusionen und Fusionsgerüchte auch zum Handwerk von Börsen-Aufschwung-Bastlern. Und noch etwas erinnert an die früheren Boom-Zeiten: Bereits der Einstieg prominenter Investoren hilft den betreffenden Firmen zu satten Kursgewinnen. Nicht die Zahlen der Unternehmen zählen, sondern die Annahme: Es könnte ja einer mehr wissen. So geschehen bei GPC Biotech, bei der sich die Beteiligungsfirma des früheren SAP-Vorstands Dietmar Hopp engagiert hat. Prompt legte der Kurs deutlich zu.
Alles in allem gilt die Devise weiter: Wachsam sein, wenn die Trends kippen. Solange dies nicht passiert, bleibt die Börse unter Dampf Richtung DAX 6000.
Archive for February, 2006
Aktien weiter unter Dampf
February 24, 2006Dax-Express bleibt in Fahrt
February 18, 2006
Trotz erkennbarer Schwungkraft-Verluste blieb der DAX fest in seiner Aufwärtsspur. Kurzzeitig übersprang das Börsenbarometer sogar die 5800-Punkte Marke. Das sind rund 350 Zähler Gewinn seit Jahresanfang und der höchste Stand seit 2001.
Erstaunlich ist es schon, wie robust der deutsche Markt sämtliche Risikofaktoren wegsteckt. Immerhin verlor Japan in der gleichen Woche über drei Prozent, aus dem Nahen Osten dröhnen schrille Töne, die Vogelgrippe droht, die Streiks wurden ausgedehnt und über dem US-Markt hängt das Damoklesschwert höherer Zinsen.
Aber solange die Verkäufer in Deckung bleiben, kann der DAX-Express weiterfahren. In der aktuellen Lage hört man öfter, dass nun die Märkte übertreiben und bereits irrationale Züge hätten. Meist sagen das Leute, die nicht dabei sind und gerne tiefere Kurse hätten, um vergleichsweise preiswert in den Markt zu kommen. Das ist menschlich verständlich, geht aber an den Funktionsweisen der Börse vorbei. Kurse entstehen schlicht und ergreifend durch Angebot und Nachfrage, sind also das Ergebnis eines rein mechanischen Vorgangs. Ob sie übertrieben oder unvernünftig sind, lässt sich nicht sagen, solange die Kurs-Gewinn-Verhältnisse historisch vergleichbare Größenordnungen aufweisen und die Trends nicht nach unten gebrochen werden. Es gab in den letzten Monaten schon öfter Anzeichen, dass wir uns einer Topp-Bildung nähern, doch stets bekamen die Börsen-Bären eins auf die Mütze. Somit bleibt die Devise: Drin bleiben, bis der Arzt kommt. Das 20-Tage-Modell bleibt grün.
Stabiles Wechselbad
February 12, 2006
Kurze Schwächephase – neuer Anlauf. Mit diesem Muster lebt der deutsche Aktienmarkt nun schon längere Zeit ganz gut. Auch in der letzten Woche wurde für einen Augenblick nach unten geblickt. Bei DAX 5600 allerdings war die Mini-Korrektur schon beendet. Die anschließende Erholung reichte zwar nicht, das Jahreshoch zu knacken. Oberhalb von 5700 wird eben die Luft dünn. Doch die Zuversicht bleibt und lässt sich offenbar auch mit schwierigen Meldungen nicht vertreiben.
Denn die drohenden Streiks sind kein passendes Umfeld für Börsenhöhenflüge. Auch international gäbe es Anlass zum Stirnerunzeln. So weisen die jüngsten Daten des US-Handels einen Rekord-Fehlbetrag aus. Für das Gesamtjahr 2005 summiert sich das Defizit in der US-Handelsbilanz auf 725,8 Milliarden Dollar, das sind 17,5 Prozent mehr als 2004. Doch auch diese Meldung brachte nur kurz Unruhe ins Gehege.
Der intakte Aufwärtstrend lockt nach wie vor Anlage-Gelder an den Aktienmarkt. Dabei werden gerne Favoriten und Mitläufer ausgetauscht. In der abgelaufenen Woche konnte zum Beispiel die lange Zeit vernachlässigten Volkswagen-Aktien einen großen Sprung machen. Man gibt hier Vorschußlorbeeren für das vom Vorstand angekündigte erneute Kostensenkungskonzept. Auch Deutsche Telekom, die wochenlang in der Börsen-Besenkammer übernachten musste, wurde wieder entdeckt und nach oben gezogen. Diese Rotation der Favoriten stabilisiert den Markt und zieht letztlich die Börsenbarometer spiralförmig nach oben. Devise: Der frühe Vogel bekommt den Wurm, doch die zweite Maus frisst den Käse. Wer nicht sofort einsteigt, kann mit einem leichten Zuwarten auch noch profitieren. Diese Lage dürfte in den nächsten Tagen anhalten. Der steile Pfad nach oben ist einer welligen Landschaft gewichen. Die vielen angekündigten Neu-Emissionen, Kapitalerhöhungen sowie die zunehmenden Bieter-Gefechte beim Erwerb von Unternehmen werden Gelder binden, die ansonsten im Markt der Bestands-Aktien investiert würden. Daraus resultiert ein natürlicher Brems-Effekt, der die Gesamt-Richtung aber nicht beeinflusst.
Bild-Zeitungsindikator
February 7, 2006Kürzlich erschien in Bild-online folgende Meldung: http://www.bild.t-online.de/BTO/geldjob/aktien/dax-dow-hoechststand2006/dax-dow-hoechststand2006,templateId=renderKomplett.html
Da es nicht auf der ersten Seite gedruckt wurde, gilt diese Meldung allgmein nicht als “Indikator” für eine Kursübertreibung. Hier zur Erinnerung die “frontpage” aus dem Februar 2000
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Kein Sofort-Durchmarsch
February 5, 2006
Sonntag, 5. Februar 2006, 9.02 Uhr
An der Grenze wischen Zuversicht und Überschwang entschied sich die Börse für maßvolle Stabilität. Statt eines Durchmarsches hieß die Devise: Auf der Stelle treten. So liegt der DAX mit 5.657 gerade einmal zehn Zähler höher als vergangene Woche. Zwischendurch gab es zwar einen 100-Punkte-Ausbruch, der jedoch schnell wieder einkassiert wurde.
Für reine Optimisten mag es enttäuschend gewesen sein, dass nicht sofort Richtung DAX 6000 „weitergekauft“ wurde. Für den Anleger, der nachhaltige Erfolge sucht, war die vergangene Woche dagegen trotzdem wertvoll. Denn sie zeigte, dass kurze Rücksetzer gleich wieder zu Einstiegen genutzt werden. Die Stimmung blieb angesichts der zunehmenden geopolitischen Risiken erstaunlich gut.
Für die nächsten Tage ist eine weitere Korrektur einzukalkulieren, aber keineVerkaufspanik. Da die Spannungen in Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm zunehmen und gleichzeitig in Amerika die Zinskarte gezogen wurde, stehen ausreichend dämpfende Elemente bereit. Die Risiken im Pulverfass Naher Osten dürfen in der Tat nicht weiter eskalieren. Ansonsten gerät die technisch gute Verfassung der Märkte in Gefahr. Gelingt es, hier etwas Ruhe zu schaffen, wird ein neuer Kaufschub möglich. Das 20-Tage-Modell ist weiter auf grün.