Archive for January, 2006

Surprise, Surprise – neues Jahreshoch

January 28, 2006

An der Börse ist es selten, dass fast alle Marktteilnehmer unbewusst gleich denken und handeln. Letzte Woche kam dieser seltene Fall vor. Nachdem am Montag der DAX bei 5290 ein vorübergehendes Jahrestief erreicht hatte (wie an dieser Stelle auch vermutet)  und dann nicht mehr weiter fiel, spielten sich offenbar in fast allen Entscheider-Hirnen die gleichen Muster ab: Wenn ich jetzt nicht kaufe, bin ich wieder nicht dabei! Also zugreifen, und zwar sofort! Jedenfalls entwickelte sich eine regelrechte Kaufpanik, die das Börsenbarometer in nur drei Tagen um über fünf Prozent nach oben katapultierte. Erst beim neuen Jahreshoch bei 5647 Punkte kam die Orgie vorübergehend zur Ruhe. Es wurde kübelweise Liquidität in den Markt gekippt, so als ob es morgen keine Aktien mehr geben würde. Den Rückgang auf 5300 hatte ich gesehen, nicht aber den extrem schnellen Rebound. Kommt auch nicht oft vor, so ein gewaltiges Gegendampf-Getöse. Selbst kritische Meldungen, wie etwa der starke Rückgang des US-Wirtschaftswachstums im abgelaufenen Quartal, konnten nur kurz stören. Vordergründig werden als Kaufargumente das gute Konsumklima sowie die Übernahme-Geschäfte im Stahlsektor als Zeichen einer wieder erwachenden Wirtschaftskraft ins Feld geführt. Das allein hätte aber nicht ausgereicht, um den massiven Kursschub zu finanzieren. Erst die Umschichtung von freien Geldern in den Aktienmarkt konnte den ruckartigen Impuls nach oben bewirken.  Das 20-Tage-Signal leuchtet ab Donnerstag wieder grün.
Da nun die alten Widerstände als Unterstützung gelten, hat der Markt ausreichend Luft, um sich in der neu erreichten Höhe einzurichten. Gelegentliche Kursrückgänge schrecken dabei nicht ab. Doch Vorsicht: Einige professionelle Marktbeobachter haben schnell in ihren Musterdepots die Stopp-Linien zur Gewinnsicherung eng nach oben gezogen, (so etwa der Platwo-Brief). Man sieht, dass doch einige Investoren nachdenken, weil ihnen das Tempo der Erholung zu schnell geworden ist. In der Tat ist nicht die Begründung des Kursanstieges ein kritisches Thema, sondern vielmehr seine Geschwindigkeit. Wäre die Höherstufung  über mehrere Wochen verlaufen, hätte man von einer gesunden Entwicklung sprechen können. Nun aber müssen unmittelbare Anschlusskäufe folgen, um die Optimisten zufrieden stellen zu können. Ansonsten drohen wieder Schwankungen. Wer die aktuelle Rallye verpasst hat, dürfte wohl im eigenen Interesse ruhig bleiben. So hat er die Chance, dass über die Zeitschiene doch noch ein akzeptabler Einstiegskurs gefunden wird.
 

 

20-Tage-Modell

January 25, 2006

 

Bei konsequenter Anwendung des 20-Tage-Modells ist man „… immer auf der richtigen Seite“, so der Titel dieser Blog-Einträge. Folgende Systematik liegt zu grunde: Täglich wird auf Basis der DAX-Schlusskurse der gleitende 20-Tage-Durchschnitt gebildet. Ein logarithmischer Durchschnitt bringt bei Beoachtung der vergangenen Jahre nur unwesentlich andere Signale. Liegt der aktuelle Wert über dem 20-Tage-Durchschnitt, ergibt sich ein Long-Signal, umgekehrt ein Short-Signal.

 

Regel 1: Bei Signal Long werden Puts verkauft

 

Regel 2: Bei Signal Short werden Calls verkauft

 

Natürlich könnte man auch jeweils calls kaufen oder puts kaufen. Doch damit läuft man Gefahr, bei zögerlichen Trendverläufen Zeitwertverluste zu erleiden. Calls und Puts als Long-Positionen sind immer dann gut, wenn ein Trend ohne Unterbrechung und sofort eintritt. Doch das ist meist nicht der Fall. So kann es passieren, dass man zwar die mittelfristig richtige Richtung hat, trotzdem aber nichts verdient, weil die Option immer weniger wert wird, je näher der Verfall kommt. Durch den jeweiligen Verkauf von Calls oder Puts ergibt sich stattdessen immer auch ein eingebauter Zeitwertgewinn, der gerade bei Positionen nahe am Verfallszeitpunkt erheblich wirken kann. Auch bei Index-Stillstand würde sich der Wert der verkauften Option stetig verringern und damit den Glattstellungsaufwand minimieren. Dadurch verdient man beim 20-Tage-Modell in Form von Short-Positionen auch in Seitwärtsphasen.

 

 

Regel 3: Aufgrund der für schnelle Richtungswechsel notwendigen Markttiefe werden nur DAX-Optionen verwendet. Außerdem besteht hier keine Ausübungsgefahr während der Laufzeit (Optionen nach europäischen Recht)

 

 

Regel 4: Wenn erkennbar ist, dass der DAX-Schlußkurs einen Signalwechsel generiert, sollten noch vor EUREX-Schluß offene Restpositionen geschlossen werden. D.h. ist der DAX-Stand um 17.00 Uhr bereits unter oder über dem 20-Tage-Schnitt des Vortages, Position wechseln.

Soweit die Grundlagen des “20-Tage-Modells”, das als reines Trendfolge-System zwar auch seine Tücken hat, aber aufgrund der Short-Konstruktion gute Ergebnisse bringt.

 

 

Korrektur oder Krise?

January 22, 2006

22. Januar 2006, um 18.53 Uhr 

Trendbruch. Nun ist die rosarote Börsen-Brille abgelegt. Plötzlich sehen die Investoren mehr Risiken als Chancen.

Am Montag wird ein Index von 5300 erwartet. Das ist Jahrestief. Die schönen Kursanstiege der ersten Januar-Hälfte fielen ausgedehnten Gewinnmitnahmen zum Opfer.

Nach dem ersten Schuss vor den Bug vor einer Woche vermuteten wir an dieser Stelle, dass nun Umwege und Stolpersteine zu erwarten sind. Zu deutlich war nach 50 Tagen Anstieg die Marktdynamik weg gebrochen. Es fehlten die Billigst-Käufer. Nun genügten einige weniger günstige Unternehmensberichte, wie etwa von Intel oder Infineon, um den Geduldsfaden zu zerreißen.

. An den Nerven zerrte auch die Tokioter Börse, die wie ein Zappelphilipp hin und her schwankte.  Als schließlich ein US-Verbraucherindex andeutete, dass die Phase der Zinserhöhungen andauern könnte, entflammte der Krisendurchlauferhitzer aus steigenden Ölpreis und Atomstreit mit dem Iran endgültig. Wer seine Schäfchen noch nicht im trockenen hatte, tat dies, sobald wichtige Trendlinien nach unten gefallen waren. 

Viele Anleger haben darauf gewartet, günstiger einsteigen zu können. Diese haben nun Gelegenheit dazu. Es ist einfach normal, dass Märkte schwanken.

Gewinne in die Tüte

January 14, 2006

Samstag, 14. 1.2006 um 8:30 Uhr Doch eine Auszeit. Nach zwei Anläufen bis 5553 Zähler ging den Gipfelstürmern an der Börse die Luft aus. Gewinne wurden mitgenommen, die bislang unbeachteten Risiken gerieten ins Scheinwerferlicht. So sank das Börsenbarometer auf 5483 Zähler ab. 
 

Entscheidend war, dass gleich mehrere Bösewichte ins Rampenlicht der Börsenbühne traten:

1. der Ölpreis,

2. der Euro 

3. Vogelgrippe.  

4. Erstmals seit langer Zeit wurden außerdem gute Zahlen nicht mehr mit Zukäufen beantwortet, sondern wie im Fall SAP mit Verkäufen.

5. Die Europäische Zentralbank sah keinen Zinserhöhungsbedarf. Auch das wurde als Beleg dafür gewertet, dass die Konjunktur nicht überhitzt und eher schon wieder Rückzugsgefechte vorbereitet.

Teufel hoch fünf:

Der Jahresanfangs-Höhenflug stoppte abrupt ab. Von nun an findet der weitere Weg auf dem Boden der nüchternen Tatsachen statt. Das bedeutet Umwege und Holter-di-Polter.

Diese Korrektur ist aber kein Beinbruch. Die Strategen diskutieren eigentlich nur, wie lange die Neu-Orientierung dauern könnte und ab welchem Zeitpunkt das freigesetzte Kapital wieder “volles Rohr” investiert werden soll.  Fazit: Noch ist die 20-Tage-Linie nach unten nicht verletzt, man kann noch long bleiben, sollte aber auf der Hut sein. Ein Schuß vor den Bug war es schon.

Schnapszahl 5555 in Sicht

January 7, 2006

geschrieben am 7.1.2006 um 11:46 Uhr 

Ohne Warteschleife zieht die Börse weiter nach oben. Als bei 5500 Punkte ein neues Vier-Jahreshoch erreicht war, kamen Impuls-Käufer dazu, so dass schon in der kommenden Woche die Schnapszahl DAX 5555 aufleuchten dürfte. Die Seitenliner wurden wieder auf dem falschen Fuss erwischt und mussten sich mit Gewalt, d.h. mit höheren Preisen, in den Markt kaufen. Inzwischen dauert der nahezu ununterbrochene Aufschwung schon 50 Tage. Das ist genauso lang wie der vergleichbare saisonale Swing vor einem Jahr. Daraus schließen viele Marktbeobachter, dass nun wirklich eine Pause eintreten könnte. Überhitzungsanzeichen gab es ja schon länger.

 

Gleichwohl, den Wunsch eines deutlichen Rücksetzers hatten viele unterinvestierte Anleger auch schon im November und ärgern sich nun, nicht bereits damals gekauft zu haben. Aus dieser Motivlage heraus steigen viele auch jetzt noch zu, wie ein Fahrstuhlgast, der zwar die Richtungspfeile nach unten sieht, aber auf jeden Fall „drin“ sein will, weil es ja später nach der kurzen Fahrt in den Keller wieder aufwärts geht. Wer weiß, ob man dann gerade den richtigen Zeitpunkt findet. Also lieber gleich.

 

Börsenlogisch führt dies natürlich dazu, dass es eher weiter nach oben geht und die erwartete Pause viel später oder gar nicht eintritt. Wir haben somit eine Börse der Hinterherlaufenden.
In dieser Lage kann man eigentlich nur sagen, ab wann die Trends nicht mehr halten. Gegenwärtig müsste der DAX schon mehr als 150 Punkte fallen, um die Aufwärtslinie zu gefährden.  Wie lange dagegen der dynamische Vorwärtstrieb noch weitergeht, hängt vom Herdentrieb der Anleger ab.  Die fundamentale und markttechnische Lage hat sich nicht wesentlich verändert. Die jüngsten Konjunkturdaten waren für die Märkte nicht prickelnd, aber auch nicht enttäuschend. Nun entscheidet schlicht und ergreifend die Mehrheitsmeinung, wie viel Geld in Aktien gesteckt werden soll. Das ist nicht berechenbar, nur nachträglich zu sehen.
 

Qualitativ erleben wir seit einigen Tagen eine Wiederentdeckung der so genannten Wachstumswerte aus dem Technologie-Bereich. Drei Jahre lang wurden diesen Titel eher gemieden. Wert (Value) stand im Vordergrund, nicht Wachstum (growth). Nun scheint diese Phase vorüber zu sein. „Tech is back“ heißt die neue (“alte”) Devise, siehe auch Dell (Ausbruch).  Kurzfristige Impulse werden nun von der Berichtssaison über das vierte Quartal erwartet. Traditionell startet wieder Alcoa am Montag den Reigen dieser Reports, die mitunter überraschend sein können. Das haben zum Beispiel Inhaber der Medion-Aktien erlebt. Die im MDax gelisteten Papiere lagen zuletzt 14 Prozent im Minus bei 10,21 Euro. Der Elektronik-Großhändler hatte für 2005 einen operativen Gewinn deutlich unter Markterwartungen angekündigt.  Es lohnt sich somit, doch gelegentlich auf die Zahlen zu schauen. Denn so hoch der Vogel auch fliegt, das Futter holt er am Boden.

Start ins Börsenjahr 2006 geglückt

January 5, 2006

Einschätzung am 5.1.2006 um 16:07 Uhr 

Der Champagner ist getrunken. Das weitgehend erfolgreiche Börsenjahr 2005 abgehakt. Was kommt nun? Solange die untere Begrenzung des Aufwärtskanals bei DAX 5360 hält, gibt es wenig Grund, auf die Short Seite zu wechseln. Gelegentliche Kursrückgänge sind zunächst nur Abbau von Übertreibungen. Auch wenn die Luft dünner wird, ist der Aufwärtstrend intakt.

Die Optimismus-Gründe haben sich gegenüber 2005 kaum geändert: Immer noch sind deutsche und europäische Aktien nicht überbewertet. Immer noch gelingt es insbesondere dem DAX, sich von der amerikanischen Börse zu lösen. Immer noch schlummert genügend Anlagekapital auf Tagesgeldkonten, das am Aktienmarkt sofort kurstreibende Wirkung erzeugen könnte, wenn der Privatanleger im „running-sushi“-Markt der Finanzanlagen auch mal gelegentlich einen Aktien-Happen  aufs Tablett legt.
Die Entkoppelung von Amerika erscheint rückblickend als ein wichtiger Meilenstein in der „Selbstverwirklichung“ der europäischen Finanzmärkte. Wie weit die jeweiligen Parallel-Welten schon verschieden sind, zeigt die Tatsache, dass wir in den USA inzwischen eine Zinsstruktur erreicht haben, bei der die langfristigen Zinsen zeitweise niedriger lagen als die kurzfristigen. Diese unnormale Lage weist auf drohende Stagnation hin, da die Investoren das Geld lieber in Staatstitel stecken als in die Industrie.  Früher hätte solche Entwicklungen auch unsere Börsen beeinflusst. Seit gut einem Jahr jedoch hängen sowohl die japanischen als auch die europäischen Börsen nicht mehr sklavisch am Rockzipfel Amerikas. Das ist gut so. Die ersten Wochen des neuen Jahres werden zeigen, ob daraus ein längerfristiger Trend werden kann.

Druck in der Pipeline stark

January 4, 2006

14.25 Uhr. Am Tagesende war es doch kein echtes one-day-reversal. So konnten sich die Aufwärtskräfte voll entfalten. Solange die 20-Tage-Linie nach unten nicht verletzt wird, bleibe ich dabei, Put-Optionen auff den DAX zu verkaufen.

one-day reversal oder nicht?

January 3, 2006

Heute vollzog der DAX ein one-day-reversal, das aber in der Nachbörse wieder sofort egalisiert wurde? Was heißt das?