An der Börse ist es selten, dass fast alle Marktteilnehmer unbewusst gleich denken und handeln. Letzte Woche kam dieser seltene Fall vor. Nachdem am Montag der DAX bei 5290 ein vorübergehendes Jahrestief erreicht hatte (wie an dieser Stelle auch vermutet) und dann nicht mehr weiter fiel, spielten sich offenbar in fast allen Entscheider-Hirnen die gleichen Muster ab: Wenn ich jetzt nicht kaufe, bin ich wieder nicht dabei! Also zugreifen, und zwar sofort! Jedenfalls entwickelte sich eine regelrechte Kaufpanik, die das Börsenbarometer in nur drei Tagen um über fünf Prozent nach oben katapultierte. Erst beim neuen Jahreshoch bei 5647 Punkte kam die Orgie vorübergehend zur Ruhe. Es wurde kübelweise Liquidität in den Markt gekippt, so als ob es morgen keine Aktien mehr geben würde. Den Rückgang auf 5300 hatte ich gesehen, nicht aber den extrem schnellen Rebound. Kommt auch nicht oft vor, so ein gewaltiges Gegendampf-Getöse. Selbst kritische Meldungen, wie etwa der starke Rückgang des US-Wirtschaftswachstums im abgelaufenen Quartal, konnten nur kurz stören. Vordergründig werden als Kaufargumente das gute Konsumklima sowie die Übernahme-Geschäfte im Stahlsektor als Zeichen einer wieder erwachenden Wirtschaftskraft ins Feld geführt. Das allein hätte aber nicht ausgereicht, um den massiven Kursschub zu finanzieren. Erst die Umschichtung von freien Geldern in den Aktienmarkt konnte den ruckartigen Impuls nach oben bewirken. Das 20-Tage-Signal leuchtet ab Donnerstag wieder grün.
Da nun die alten Widerstände als Unterstützung gelten, hat der Markt ausreichend Luft, um sich in der neu erreichten Höhe einzurichten. Gelegentliche Kursrückgänge schrecken dabei nicht ab. Doch Vorsicht: Einige professionelle Marktbeobachter haben schnell in ihren Musterdepots die Stopp-Linien zur Gewinnsicherung eng nach oben gezogen, (so etwa der Platwo-Brief). Man sieht, dass doch einige Investoren nachdenken, weil ihnen das Tempo der Erholung zu schnell geworden ist. In der Tat ist nicht die Begründung des Kursanstieges ein kritisches Thema, sondern vielmehr seine Geschwindigkeit. Wäre die Höherstufung über mehrere Wochen verlaufen, hätte man von einer gesunden Entwicklung sprechen können. Nun aber müssen unmittelbare Anschlusskäufe folgen, um die Optimisten zufrieden stellen zu können. Ansonsten drohen wieder Schwankungen. Wer die aktuelle Rallye verpasst hat, dürfte wohl im eigenen Interesse ruhig bleiben. So hat er die Chance, dass über die Zeitschiene doch noch ein akzeptabler Einstiegskurs gefunden wird.