Rätselhafte Kursverläufe. Wie heftig an der Börse um die Richtung gerungen wird, zeigen die ruckartigen Ausschläge, wenn eine neue Zahl bekannt wird. So sank der DAX am vergangenen Freitag um über 60 Punkte, als die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wurden. Zwei Stunden später stand er nach der Publikation des Verbrauchervertrauens wieder exakt 60 Punkte höher. Insgesamt gab es ein Wochenplus von fast drei Prozent auf 6427 Zähler und damit die Rückkehr in den Aufwärtstrend. Trotz dieser Erholung spürt man Skepsis. Die Nervosität der Vorwoche ist noch nicht verschwunden.Die Aktionäre fragen sich, wie die starken Schwankungen der letzten Zeit gerechtfertigt sind. Antworten darauf gibt der Markt selbst. Denn wenn es an der Börse auf und ab geht, stehen jeweils viele tausend gegensätzliche Einzelentscheidungen dahinter. Offenbar haben wir zur Zeit eine Phase, in der viele falschen Spuren gelegt werden. Während die so genannten Insider und Trendsetter eher auf der Verkäuferseite stehen, bleiben die Draufsattler und Hasardeure fest in der Optimistenspur. Sie wollen noch in diesem Jahr die Hürde bei DAX 6500 fallen sehen.
Die Gruppe der sensiblen Risikosucher geht dabei meistens zu früh aus dem Markt. Sie sehen kritische Hinweise aus der Wirtschaft und bringen ihre Schäfchen ins Trockene. Mancher der Schlauen stellt sich auch dumm und fährt eine Zeitlang in der Kolonne der sturen Käufer mit, obwohl er schon innerlich auf die Bremse tritt. Meist kommt aus dieser Gemengelage ein Seitwärtstrend heraus. Die letzten Wochen des Jahres 2006 dürften somit keine größeren Überraschungen mehr bringen. Die Marktteilnehmer werden versuchen, die gute Entwicklung des bisherigen Börsenjahres bis Silvester in den Büchern zu halten. Für Unruhe könnte allerdings die Sitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche sorgen. Man erwartet Hinweise auf eine mögliche Zinssenkung im kommenden Jahr. In Deutschland rückt der Konjunkturindex für Dezember in den Blickpunkt. Neben dieser kurzfristigen Sicht gelten als strategische Positionen für 2007 ähnliche Argumente wie für 2006: Weiter steigende Unternehmensgewinne, ausreichend Liquidität und Übernahmefantasien. Hauptrisiko dürfte eine harte Landung der US-Konjunktur sein. Doch das ist noch nicht ausreichend klar. Solange hier die Möglichkeit besteht, dass man die Kurve ohne Kratzer hinkriegt, bleiben die Märkte in Weihnachtsstimmung. Die Ampeln zeigen nach einer kurzen Unterbrechung von vier Tagen wieder grün.